3. November 2008
Von Tanja Tasci
Elternzeit für Männer wurde relativ schnell sehr gut angenommen. Doch ist es wirklich weil moderne Männer sich mehr in die Familie einbringen möchten und sich das Rollenbild verändert hat? Wohl kaum, denn immer öfter wird der einkommensstärkere Teil gewählt um die Elternzeit wahr zunehmen.
Die Elternzeit konnte schon immer zum Teil auch von den Vätern wahrgenommen werden. Während noch vor kurzer Zeit nur einzelne Männer den Mut hatten, sich eine berufliche Auszeit für den eigenen Nachwuchs zu nehmen, so wagen heute immer mehr Männer diesen Schritt. Doch nicht die Überzeugung oder das Rollenbild hat sich verändert, für viele Paare ist der finanzielle Aspekt der Anlasse sich dafür zu entscheiden, dass der Mann die Elternzeit wahrnimmt.
Seit der Einführung des Elterngelds ist es zu einer Verschiebung gekommen, denn hier zählt das Einkommen, welches vor der Erziehungszeit erzielt wurde. Vom bereinigten Nettoeinkommen ersetzt der Staat 67 Prozent während der Elternzeit. Pro Monat liegt die Höchstgrenze der Auszahlung bei 1800 Euro. Da meist die Frau weniger Einkommen vorweisen kann, nehmen immer mehr Männer die Elternzeit wahr, während die Frauen weiterhin ihrem Beruf nachgehen. Der Rollentausch ist für viele Familien die einzige Möglichkeit sich eine finanzielle Absicherung auch während der Elternzeit zu schaffen. Ziel des Gesetzgebers war es allerdings nicht Väter an die Elternzeit heranzubringen, sondern Zielsetzung war auch Karrierefrauen einen Anreiz zu geben sich für Kind trotz Karriere zu entscheiden. Das Ziel wurde nicht wirklich erreicht und doch schafft die Neuregelung der Elternzeit für viele Paare eine gute Grundlage um finanziell abgesichert in die Familienplanung zu gehen.
Für viele Männer zeigt sich die Elternzeit als ein prägendes Erlebnis, denn in dieser Zeit schaffen es viele Väter eine enge Bindung zu ihren Kindern aufzubauen, die sonst häufig der Mutter vorbehalten blieb. Diese Bindung die durch die intensive Elternzeit zwischen Vätern und Kindern entstehen kann, sorgt dafür, dass auch der Familienzusammenhalt gestärkt wird und auch das Verständnis der Männer für die Belastungen durch Kinder und Haushalt wird gefördert. Erfahrungsgemäß helfen Männer, die die Elternzeit wahrgenommen haben, auch nach Beendigung der Elternzeit häufiger im Haushalt und legen Wert darauf die eigene Freizeit mit den Kindern zu verbringen. Durch die Zunahme von Männern die die Elternzeit nutzen, kommt das traditionelle Rollenbild ins Wanken und so macht sich langsam eine neue Art von Gleichberechtigung breit, die zum Großteil auf Verständnis beruht und dem Wunsch der Männer sich mehr in die Kindererziehung mit einzubringen.
Elternzeit als neue Chance für finanzielle Absicherung und neue Familienstrukturen zeigt, dass auch in Deutschland Veränderungen stattfinden und junge Familien offen sind für neue Strukturen. Gerade Frauen die ihrem Partner die Elternzeit überlassen, lernen sehr schnelle, dass Beruf und Kindererziehung durchaus vereinbar sind. So nutzen auch nach der Elternerziehungszeit immer mehr Paare die Chance, dass beide Elternteile berufstätig bleiben und Kinder immer häufiger in Kindergrippen untergebracht und erhalten hier eine gute Betreuung während den Arbeitszeiten der Eltern. Langsam sehen immer mehr Eltern, dass Kinder glücklich sind, wenn Eltern für sich selbst ausgeglichen sind und ihre beruflichen Ziele verfolgen.
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