Schulschwänzen - Ursachen und Gegenmaßnahmen

In den unteren Klassen gehen die meisten Kinder noch ausgesprochen gern zur Schule. Sie sind stolz darauf, endlich lesen, schreiben und rechnen zu lernen, genauso wie es die Erwachsenen können. Irgendwann kommt es dann zum ersten Mal zum Schulschwänzen, etwa, weil dieser anfängliche Zauber nachlässt und viele Schüler schlichtweg die Lust am Lernen verlieren. Doch es gibt noch weitere Ursachen für das Blaumachen. Schulschwänzen - Informieren Sie sich über mögliche Ursachen sowie hilfreiche Gegenmaßnahmen.

Mein Kind schwänzt die Schule - Mögliche Motive des Blaumachens und wie Eltern damit umgehen sollten

Schulschwänzen ist weit verbreitet - und ab und zu nicht schlimm

Immer mehr Kinder und Jugendliche lassen sich zum Schulschwänzen verleiten. Aus Angst vor schlechten Noten, aus Gruppenzwang oder wegen Bequemlichkeit bleiben immer mehr Schüler dem Unterricht fern.

Die Ordnungsbeamten und Polizisten haben alle Hände voll damit zu tun, die über 500.000 Schulschwänzer auf den Straßen, in Parks auf Sportplätzen oder in Kaufhäusern aufzulesen und in ihre Schulen zu bringen. Ist ein Schulschwänzer erwischt, so versucht der Schüler meist durch fantasievolle Ausreden noch seine Haut zu retten. Durch einen Anruf in der jeweiligen Schule, bringen die Beamten oft in Erfahrung, dass der Schüler dem Unterricht unerlaubt ferngeblieben ist und schaffen diesen dann in seine Klasse zurück.

Büffeln und Pauken ist natürlich nicht alles im Leben, das wissen selbst pflichtbewusste Schüler: Deshalb sollte man als Elternteil nicht gleich die Alarmglocken klingeln hören, wenn ältere Schüler ab und an einmal eine Stunde Kunst oder Musik schwänzen.

Sind die Noten in Ordnung, so darf man ruhig einmal das ein oder andere Auge zudrücken, schließlich war man früher auch nicht anders. Harte Maßnahmen erfordert es erst dann, wenn die Zensuren in den Keller rutschen und das Schwänzen zur Gewohnheit ist.

Mögliche Gründe

Oft genannte Gründe für das Schuleschwänzen sind, auch abhängig vom Alter,

  • die Angst, das Elternhaus zu verlassen
  • Angst vor dem Versagen im Unterricht
  • Angst vor Mitschülern
  • Angst vor Lehrern
  • schlechte Erfahrungen (z.B. Mobbing)
  • Lustlosigkeit
  • Überforderung
  • Unterforderung/Langeweile und
  • schlechte Vorbilder.

Verschiedne Studien haben bewiesen, das viele notorische Schulschwänzer Lernschwächen oder Konzentrationsschwierigkeiten haben. Es ist ihnen oft peinlich, vor ihren Mitschülern zu versagen, und so bleiben sie dem Unterricht fern.

Zudem wirkt auch ein gewisser Gruppenzwang auf die Schüler ein. Verlassen also die besten zwei Freunde den Unterricht frühzeitig, so wird eine Kettenreaktion losgetreten und viele weitere Schüler fühlen sich animiert, ihnen zu folgen, um nicht in ihrem Ansehen zu sinken.

Ein weiterer Grund für die regelmäßige Schulverweigerung ist die Vorbildfunktion von erwachsenen Verwandten und Bekannten. Wächst ein Schüler beispielsweise in einem Haushalt mit einem oder mehreren Erwachsenen auf, die keine Arbeitsstelle haben oder arbeitsunfähig sind, so nimmt sich das Kind ein Beispiel an den zuhause bleibenden Vorbildern und entwickelt die Einstellung, das man auch gut leben kann wenn man nicht in die Schule oder zur Arbeit geht. Oft sind die Erwachsenen gewillt zu arbeiten, haben jedoch keine Chance dazu und doch wirken sie durch längeres Schlafen oder Gemütlichkeit am Morgen mit auf das Kind ein, welches dann auch lieber daheim bleiben würde.

Was tun, wenn das Kind die Schule schwänzt?

Bevor man seinem Nachwuchs eine Standpauke hält, sollte man sich darüber klar werden, dass es zwei Arten von Schwänzen gibt. Selbst sehr gute Schüler gehen irgendwann nicht mehr in jede Unterrichtsstunde.

Wenn alle Noten bereits gemacht wurden oder in der jeweiligen Stunde sowieso nur langweilige Referate gehalten werden, nutzen viele Jugendliche die Zeit lieber anderweitig. Spätestens, wenn die Schüler sich selbst entschuldigen können, entscheiden sie sich gerne gegen den Unterricht.

Das muss man als Elternteil natürlich nicht gutheißen. Jedoch hat man in den meisten Fällen keinen großen Einfluss darauf. Solange die Noten gut bleiben, sollte man ruhig bleiben und es für gut befinden, dass der Sprössling einem soviel Vertrauen entgegen bringt, um die Geschichte offen zu erzählen.

Der Jugendliche sollte in diesem Alter sehr genau wissen, wo er seine Prioritäten setzen muss, um am Ende des Jahres ein gutes Zeugnis zu erhalten. Zur Gewohnheit sollte das Fernbleiben vom Unterricht natürlich dennoch nicht werden.

Wichtig: Bei Schulschwänzen einzugreifen bedeutet nicht, den Nachwuchs anzuschreien - dies wird die Situation nur noch schlimmer machen.

Eingreifen bei schlechten Noten

Bei der anderen Art von Schwänzen ist dagegen sehr wohl elterliche Intervention gefragt. Wenn Kinder und Jugendliche

  • die Lust am Lernen verlieren
  • schlechte Noten mit nach Hause bringen und
  • ständig fehlen,

muss etwas geschehen. Wer seinen Nachwuchs in solch einer Situation allerdings nur anbrüllt und bestraft, trägt nur dazu bei, dass die Kinder sich beim Schwänzen noch mehr Mühe geben, nicht entdeckt zu werden.

Man sollte viel eher versuchen herauszufinden, warum der Schüler den Unterricht schwänzt. Manchmal ist einfach der Erwartungsdruck der Eltern zu hoch gewesen und es ist besser, auf eine niedrigere Schulform zu wechseln. Wer keine Erfolgserlebnisse hat, lernt auch nicht gut.

Häufig ist es auch der Gruppendruck, der zum Schwänzen verführt. Schule ist eben nun einmal nicht cool, daran wird sich auch nie etwas ändern. Hierbei gilt es, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, so dass sie lernen, sich vor anderen mit ihrer eigenen Meinung zu behaupten.

Auf jeden Fall sollte man den Klassenlehrer und die Schulsekretärinnen bitten, immer kurz anzurufen, wenn der Schüler im Unterricht gefehlt hat, selbst wenn eine schriftliche Entschuldigung vorliegt. Schulschwänzer, die die Unterschrift ihrer Eltern fälschen, sind absolut keine Seltenheit.

Tipps bei notorischen Schulschwänzern

Notorische Schulschwänzer schleichen sich nicht kichernd aus dem Schulgebäude, um statt der Biostunde das Eiscafé aufzusuchen; für sie ist das Schuleschwänzen längst zur Gewohnheit geworden. Sie

  • haben kein wirkliches Interesse mehr an einem Schulabschluss
  • leben lieber in den Tag hinein und
  • verbringen ihre Zeit teilweise sogar mit Trinken und Rauchen.

"Normales" Schwänzen kann man unterbinden, indem man ein ruhiges Gespräch mit dem Jugendlichen führt, ohne ihm dabei Vorwürfe zu machen. Solange sich der Nachwuchs einen guten Schulabschluss wünscht und lediglich ab und zu von der Faulheit überrannt wird, hat man recht gute Karten. Der Ehrgeiz kehrt spätestens nach der Pubertät wieder zurück und bis dahin recht meist sanftes Antreiben.

Kinder brauchen Unterstützung und Perspektiven

Kinder und Jugendliche hingegen, die im Leben für sich keine Perspektive mehr sehen, brauchen dringend Unterstützung. Auch hier sollte man nicht mit Vorwürfen reagieren; seine Enttäuschung zeigen darf man jedoch schon. Den Erwartungen der Eltern nicht gerecht zu werden, ist für die meisten Kinder schlimmer, als jede noch so heftige Standpauke.

Um das Problem beheben zu können, bedarf es einer sorgfältigen Ursachenforschung. Warum möchte der Jugendliche nicht mehr zur Schule gehen? Hat er es aufgegeben, weil es trotz Anstrengung nie für gute Noten gereicht hat oder sieht er einfach keinen Sinn mehr im ewigen Büffeln? Es kann auch vorkommen, dass Jugendliche im Schatten ihrer Geschwister stehen und mit trotzigem Verhalten reagieren, um auf sich aufmerksam zu machen.

Von Gesprächen bis hin zu verstärkten Kontrollen

Um notorische Schulschwänzer wieder auf die richtige Bahn zu führen, bedarf es viel Geduld und auch eigene Disziplin. Man sollte dem Kind in Gesprächen begreiflich machen, das der Besuch der Schule wichtig ist, und zwar für den gesamten Verlauf des Lebens.

Man sollte Beispiele benennen, die dem Schwänzer verdeutlichen, das man ohne schulische Ausbildung ein hartes Leben führt und nicht einfach das kaufen kann, was einem passt. Zudem sollte man als Erwachsener im Haushalt des Kindes auch eine stärkere Kontrolle ausüben.

  • Kontrollieren Ssie regelmäßig die Schulaufzeichnungen ihres Sprösslings,
  • informieren Sie sich bei den Lehrern über die Teilnahme am Unterricht und
  • bringen Sie ihr Kind wenn möglich bis in den Klassenraum, um sicher zu gehen, dass es dort auch wirklich ankommt.

In ganz schlimmen Fällen werden die Schulschwänzer sogar von Beamten des Jugendamtes, der Polizei oder des Ordnungsamtes von zuhause abgeholt und in die Klassen gebracht. Dieses Verfahren soll den Kindern einen Lehre sein und sie peinlich berühren, sodass ein weiteres Fehlen ausgeschlossen werden kann. Eine solche Vorgehensweise wird aber nur in sehr drastischen Fällen angewandt, wenn die Eltern überfordert sind oder aus beruflichen Gründen keine Zeit haben, ihr Kind zur Schule zu bringen.

Alternativen aufzeigen

Man sollte mit seinen Kindern in Ruhe darüber sprechen, was sie statt Schule lieber machen würden. Vielleicht ist der Nachwuchs eher handwerklich begabt und blüht in einer Ausbildung plötzlich völlig auf.

Ist es nur die Null-Bock-Einstellung, die für das notorische Schuleschwänzen verantwortlich ist, so helfen vielleicht ein paar Wochen Ferienarbeit am Fließband oder eventuell sogar ein Praktikum in einer Justizvollzugsanstalt. Hier treffen die Jugendlichen plötzlich auf Menschen, die ihnen Respekt einflößen und sehen zugleich, wo sie enden, wenn sie das Schwänzen nicht schnellstens einstellen.

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