23. September 2010
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schreibt vor, dass alle Kinder das gleiche Recht auf Bildung haben. Aus diesem Grundsatz heraus ergibt sich auch die allgemeine Schulpflicht, von der höchstens schwer kranke Kinder ausgenommen werden können. Nichtsdestotrotz mehrt sich die Zahl der Eltern, die ihren Nachwuchs lieber zuhause unterrichten möchten. Tatsächlich ist das so genannte Homeschooling zum Beispiel in den USA und vielen europäischen Ländern ganz selbstverständlich – nur Deutschland hinkt in diesem Punkt noch hinterher.
Gewalt und Kriminalität sind nur zwei Punkte, die Fürsprecher des Heimunterrichts gerne anführen. Darüber hinaus bemängeln sie die pädagogische Betreuung der Kinder und sind der Meinung, dass das persönliche Unterrichten zuhause eine gesündere soziale Entwicklung nach sich ziehen würde.
Tatsächlich gehen viele Schüler ungern in die Schule. Einige werden gemobbt, andere langweilen sich schlichtweg und ein großer Teil ist auch einfach mit dem Stoff überfordert, obwohl das Potential eigentlich vorhanden wäre. Natürlich ist es für eine Lehrkraft unmöglich, bei Klassengrößen von bis zu 30 Kindern jeden individuell zu fördern. In den eigenen vier Wänden, so die Vertreter des Homeschoolings, könnte man versteckte Talente viel besser fördern und jedem Schüler die Ausbildung zukommen lassen, die er benötigt.
Wer einmal hinter die Kulissen schaut, wird feststellen, dass Heimunterricht in der Bundesrepublik gar nicht so selten ist, wie man eigentlich meinen sollte. Tatsächlich gibt es spezielle Personengruppen, bei denen das Homeschooling von den Behörden toleriert wird. In diesen Bereich fallen zum Beispiel schwerst kranke Kinder, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden nicht in der Lage sind, eine Schule aufzusuchen. Aber auch Schausteller und Prominente lassen ihre Kinder häufig zuhause unterrichten, weil es durch das ständige Reisen einfach nicht möglich ist, einen regelmäßigen Schulbesuch zu gewährleisten.
Es ist wohl nur verständlich, warum Befürworter des Homeschoolings solche Ausnahmen anprangern. Schließlich gelten sie, bis auf die Schwerkranken, nur für berühmte Persönlichkeiten. Ein Umstand, der dem Gleichheitsgrundsatz ja offensichtlich drastisch widerspricht.
Trotzdem weigern sich die Behörden, den Heimunterricht offiziell anzuerkennen beziehungsweise zu erlauben. Schule diene eben nicht nur dem bloßen Unterrichten, sondern auch der Ausbildung sozialer Fähigkeiten. Kinder, die isoliert von Gleichaltrigen aufwachsen und niemals die Möglichkeit haben, sich in eine Gemeinschaft außerhalb des häuslichen Umfelds zu integrieren, würden im späteren Leben gravierende soziale Defizite aufweisen.
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