Das System der vier möglichen Schulabschlüsse in Deutschland

4 Frauen mit unterschiedlichen Haarfarben stecken ihre Köpfe zusammen, von unten fotografiert

Abitur, Fachhochschulreife, Mittlere Reife und Hauptschulabschluss im Überblick

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  • von Paradisi-Redaktion

Nach dem erfolgreichen Absolvieren der allgemeinbildenden Schule erhält der Schüler einen Schulabschluss. In Deutschland gibt es vier mögliche Abschlüsse; dabei handelt es sich um das Abitur, die Fachhochschulreife, die mittlere Reife sowie den Hauptschulabschluss. Informieren Sie sich über das Prinzip und die Wege der vier möglichen Schulabschlüsse in Deutschland.

Beendet ein Schüler erfolgreich die allgemeinbildende Schule, erhält er seinen ersten Schulabschluss. Der Schulabschluss bildet einen wichtigen Teil des Berechtigungswesens und ermöglicht den weiteren schulischen bzw. beruflichen Werdegang. Daher wird dem Schulabschluss im Leben eines Menschen hohe Bedeutung zugemessen.

Mögliche Schulabschlüsse in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland sind vier unterschiedliche Schulabschlüsse möglich. Am höchsten angesiedelt ist das Abitur (allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife). Die anderen drei Formen sind die Fachhochschulreife (allgemeine oder fachgebundene Fachhochschulreife), die Mittlere Reife (Realschulabschluss) sowie der Hauptschulabschluss bzw. der qualifizierende Hauptschulabschluss.

Bundesweit 7% ohne Schulabschluss

Buchstaben A B C aus Kunststoff auf Haufen
letters © Peter Galbraith - www.fotolia.de

Die Bertelsmann-Stiftung hat in Gütersloh ihre neue Bildungsstudie vorgestellt. Besonders enttäuscht zeigte sich Bildungsexpertin Anette Stein über die nach wie vor hohen Schulabbruchsquoten in Deutschland.

2009 verließen 58400 Menschen die Schule ohne Abschluss. Das waren zwar 6600 weniger als 2008, aber immer noch viel zu viele, meint Frau Stein. 80 Prozent der Abbrecher kommen aus Haupt- und Förderschulen, überproportional sind dabei Schüler mit Migrationshintergrund vertreten. Auffällig ist der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland.

Bundesweit brechen sieben Prozent die Schule ab. In den ostdeutschen Bundesländern sind es im Schnitt elf Prozent. Am wenigsten Schulabbrecher gibt es im Landkreis Würzburg. Dort sind es nur 1,3 Prozent. In der kreisfreien Stadt Wismar verlassen dagegen 25 Prozent der Schüler die Schule ohne Abschluss.

Stein sagt, Schulabbrecher haben auf dem heutigen deutschen Arbeitsmarkt praktisch keine Chance.

Große Bildungsunterschiede innerhalb Deutschlands

Laut dem „Deutschen Lernatlas 2011“ schneiden die Lernbedingungen im Süden Deutschlands besser ab als die im Norden

Lehrer steht vor seiner Schulklasse in Klassenraum, Schüler lächeln ihn an
High School Classroom © Monkey Business - www.fotolia.de

Aus einer aktuellen Bildungsstudie zeigt sich deutlich, dass es innerhalb von Deutschland zu sehr starken Lernunterschieden kommt. Wie die Nachrichtenzeitschrift „Der Spiegel“ berichtete, schneiden die Lernbedingungen aus dem Süden Deutschlands dabei wesentlich besser ab als die im Norden. Die Bertelsmann Stiftung kommt in dem „Deutschen Lernatlas 2011“ zu dem Ergebnis, dass selbst die schlechtesten Regionen in Baden-Württemberg immer noch besser abschneiden als die schlechtesten Städte in den neuen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt.

Zusammenhang zwischen Lernen und wirtschaftlichem Wohlstand

In der Studie wurde untersucht, wie gut es sich in 400 Städten aus Deutschland lernen lässt. Neben Schulen und Hochschulen wurden auch Betriebe und das Engagement einzelner Bürger berücksichtigt.

Der Landkreis Main-Spessart erzielte die besten Ergebnisse und die Stadt Wismar die schlechtesten. Jörg Dräger, ein Vorstandmitglied der Stiftung, äußerte demnach den Zusammenhang zwischen Lernen und wirtschaftlichem Wohlstand. Denn wer lernt, fühle sich wohler und das führe auch zum Wohlstand für die Gesellschaft.

Vier unterschiedliche Bereiche für lebenslanges lernen

Die Stiftung möchte mit dieser Studie zum Nachdenken über ein lebenslanges Lernen anregen. Sie beruft sich dabei auch auf die Kommission der UNESCO, die in ihrem „Bildung für das 21. Jahrhundert“ vier unterschiedliche Bereiche für das Lernen ausgearbeitet hat. Auch die aktuelle Studie der Stiftung konzentrierte sich auf diese vier Bereiche und hat die Bedingungen dafür in den teilnehmenden Städten und Regionen gemessen.

Lehrer müssen Anforderungen nach unten korrigieren - Leistungsunterschiede sind zu hoch

Rückenansicht sechs Schüler einer Grundschule laufen zum Ausgang
Elementary school pupils running outside © Monkey Business - www.fotolia.de

Das Thema Leistungen an deutschen Schulen gibt immer wieder einen Anlass zu neuen Studien. Eine erst kürzlich veröffentliche Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach, welche im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt wurde, legt nun offen, dass über 40 Prozent der Lehrer ihre Anforderungen an die Schüler in den letzten fünf bis zehn Jahren senken mussten.

Besonders Lehrer mit einer über 20-jährigen Berufserfahrung und Lehrer welche das 55. Lebensjahr bereits überschritten haben, mussten ihre Anforderungen stark nach unten korrigieren. Ein gewisser Teil der Gymnasiallehrer sieht den Grund darin, dass es immer mehr Schüler an Gymnasien gibt, die dort vorherrschenden Anforderungen schlicht weg nicht gewachsen sind.

Der Lehrstoff könne in einer Klasse nur dann schneller und effektiver vermittelt werden, wenn nahezu alle Schüler auf einem Niveau arbeiten könnten und eben nicht ein derart markanter Leistungsunterschied vorherrschen würde. Doch auch die zunehmende Einmischung von Eltern trägt dazu bei, dass Kinder dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen sind.

Bei der Wahl der richtigen Schule sollten sich Eltern und Lehrer besser absprechen. Das Modell des freien Lernens wird im übrigen von Schülern zum größten Teil abgelehnt. Sie bevorzugen nach wie vor die alte Methode, den Stoff vom Lehrer vermittelt zu bekommen, anstatt sich Wissen selbstständig anzueignen.

Lehrer sind maßgebend für den Lernerfolg von Schülern

Junge Lehrerin sitzt neben Schüler in Klasse an Tisch, hilft bei Hausaufgaben, Klassenhefte neben ihr, Schülerin hinten
Teacher and pupil © pressmaster - www.fotolia.de

In den Pisa-Studien schneiden deutsche Schüler im Vergleich mit Schülern anderer europäischer Länder stets nur mittelmäßig ab. Gründe dafür werden häufig diskutiert. Sind es die oft zu großen Klassen in den Schulen, die mangelnde technische Ausstattung der Klassenzimmer, die Schulformen oder einfach die schwindende Lust von Schülern an Schule und Lernen?

Einstellung der Lehrer zum Schulunterricht

Was in derartigen Diskussionen meist nur wenig Beachtung findet, sind die Lehrer. Einem australischen Professor der University of Melbourne zufolge, sind es aber vor allem die Lehrer, die für den Lernerfolg der Schüler verantwortlich sind und zwar weniger deren Persönlichkeit als vielmehr ihre Einstellung zum eigenen Unterricht und der eigenen Rolle als Lehrender.

Schüler in den Vordergrund stellen

Für seine Erkenntnisse hat der australische Professor über 800 Meta-Analysen zu mehr als 50.000 weltweiten Studien über die Faktoren des Lernerfolgs ausgewertet. Demnach spielen Faktoren wie die Klassengrößen oder die Ausstattung der Schulen so gut wie keine Rolle für den Lernerfolg der Schüler.

Die Einstellung der Lehrer, ob sie das Unterrichten lediglich als ihren Job ansehen oder ob für sie die Schüler im Vordergrund stehen, spielt dagegen eine entscheidende Rolle.

"Direktiver" Einfluss auf Schüler

Am meisten positiven Einfluss auf den Lernerfolg haben demnach Lehrer, die sich eine Einflussnahme auf die Schüler zutrauen und den Unterricht "direktiv" leiten, so der Australier. Unterrichtsformen, die die Lehrer eher als Lernbegleiter sehen und den Schülern mehr Eigeninitiative abverlangen, werden damit eher in Frage gestellt.

Genetische Einflüsse bestimmen Intelligenz, Selbstkontrolle und Neugierde

Mädchen mit Brille, Stift und orangem Pullover grübelt über einer Aufgabe
kind beim lernen © Ramona Heim - www.fotolia.de

Ohne Intelligenz ist ein guter Schulabschluss nicht zu erreichen. Und diese liegt zum Großteil in den Genen – ebenso wie andere Persönlichkeitsmerkmale, die über den Bildungserfolg entscheiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie mit 6.600 Zwillingspaaren.

Studie zur genetisch bedingten Intelligenz

Mit Testbögen erfragten die Wissenschaftler insgesamt 83 verschiedene Persönlichkeitsmerkmale und kombinierten diese mit den Schulnoten in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften. Auch gesundheitliche Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten wurden berücksichtigt.

Bei den Teilnehmern handelte sich sich sowohl um eineiige als auch zweieiige Zwillinge, die nur in 50 Prozent übereinstimmendes Erbgut haben.

Studienergebnisse

62 Prozent des Schulerfolgs ist genetisch erklärbar. Umwelteinflüsse wie etwa das Engagement der Eltern macht dagegen weniger aus. Als wichtigste Eigenschaft neben der Intelligenz nannten die Forscher die Selbstkontrolle.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die vier unterschiedlichen Schulabschlüsse im Überblick vor...

Abitur (allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife)

Beim Abitur handelt es sich um den höchsten Schulabschluss, der in Deutschland möglich ist. So weist er die Studienbefähigung für eine Hochschule oder Universität nach.

Geschichte

Eingeführt wurde das Abitur im Jahr 1788 in Preußen. Mit dem Abiturreglement sorgte der preußische Staat für eine Zugangsberechtigung für Hochschulen. In den Jahren zuvor hatten noch die Universitäten allein darüber bestimmt, welche Studenten sie aufnahmen.

In der heutigen Zeit stellt das Abitur den höchsten deutschen Schulabschluss dar. Es gilt als besonders wichtig, weil es die uneingeschränkte Studienbefähigung an europäischen Hochschulen oder Universitäten nachweist. Man bezeichnet das Abitur auch als Zeugnis zur allgemeinen Hochschulreife.

Fachgebundenes Abitur

Beim Abitur gilt es, zwischen der allgemeinen und der fachgebundenen Fachhochschulreife zu unterscheiden. So wird der Hochschulzugang vom fachgebundenen Abitur auf fachgebundene Studiengänge beschränkt. Das Fachabitur weist also die Befähigung für ein bestimmtes Fachhochstudium nach.

Das Abitur berechtigt zum Besuch einer Universität
Das Abitur berechtigt zum Besuch einer Universität
Wege zum Abitur

Um in Deutschland das Abitur machen zu können, müssen ein Gymnasium oder eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe besucht werden. In diesen Schulen erfolgt eine zwei- bis dreijährige Vorbereitung auf die Hochschulreife. Insgesamt nimmt die Schulzeit bis zum Abitur 12 bis 13 Jahre in Anspruch.

Das Abitur lässt sich auch an beruflichen Gymnasien oder Berufkollegs mit gymnasialer Oberstufe erwerben. Dabei kann es sich um

  • ein technisches Gymnasium (TG)
  • ein Wirtschaftsgymnasium (WG)
  • ein sozialpädagogisches Gymnasium (SG)
  • ein biotechnologisches Gymnasium (BTG) oder
  • ein ernährungswissenschaftliches Gymnasium (EG)

handeln. Außerdem ist es möglich, in der Jahrgangsstufe 13 der Fachoberschule oder der Berufsoberschule das Abitur zu machen. Dabei wird neben der allgemeinen Fachhochschulreife auch eine berufliche Vertiefung erworben.

Zweiter Bildungsweg

Das Abitur lässt sich auch auf dem zweiten Bildungsweg nachholen. Entsprechende Lehrgänge werden sowohl von staatlichen als auch von privaten Schulen angeboten. Erwachsene, die bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, haben die Möglichkeit, das Abitur an

zu erwerben. Mittlerweile wird von einigen Schulen auch das so genannte "Abitur online" angeboten. Das heißt, dass der Schüler die Schule nur zweimal in der Woche in den Abendstunden besuchen muss und ansonsten über das Internet unterrichtet wird. Am Tage kann er seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen.

Abiturprüfung

Geprüft wird das Wissen, dass der Schüler an der Oberstufe erwirbt, im Rahmen einer Abiturprüfung oder Reifeprüfung. Die Prüfung umfasst vier bis fünf ausgewählte Fächer. Die Prüfungsnoten lässt man in die Durchschnittsnote des Abiturzeugnisses einfließen.

Die Prüfungen werden sowohl mündlich als auch schriftlich abgelegt. Die Verfahren sind von Bundesland zu Bundesland allerdings unterschiedlich. Das Gleiche gilt für das Verfahren zum Festlegen der Note.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Abitur.

Immer mehr Eltern versuchen mit aller Macht ihr Kind auf das Gymnasium zu bringen

Rückansicht kleines Mädchen vor Tafel, abc, 123
Vorschule © lu-photo - www.fotolia.de

Immer mehr Eltern von Grundschülern wollen unbedingt, dass ihr Kind anschließend ein Gymnasium besucht, wobei sie dies mit allen Mitteln versuchen. Manche gehen soweit, dass sie den Grundschullehrer vor Gericht wegen der, ihrer Meinung nach, falschen Beurteilung verklagen.

Besonders Eltern, die einen akademischen Beruf haben, wollen unbedingt dass ihr Kind ein Gymnasium besucht, so dass ein möglicher Umweg über die Realschule oder Hauptschule überhaupt nicht in Frage kommt. Aber mittlerweile kommen in die Kanzleien der Rechtsanwälte auch Eltern aus allen sozialen Schichten.

In Bayern muss beispielsweise ein Grundschüler einen Notendurchschnitt von 2,33 erreichen, damit er von der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln kann. Für die anderen Grundschüler bleibt dann die Wahl der Hauptschule oder der Realschule.

Doch nach einem guten Abschluss der Realschule haben die Schüler auch die Chance danach auf das Gymnasium zu wechseln und dort das Abitur zu machen. Aber auch nach einer Lehre besteht immer noch die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren und die Hochschulreife zu erlangen.

Fachhochschulreife (allgemeine oder fachgebundene Fachhochschulreife)

Mit der Fachhochschulreife lässt sich die Berechtigung erwerben, an einer Fachhochschule zu studieren. In manchen Bundesländern ist damit auch ein Bachelor-Studiengang an einer Universität möglich. Erwerben lässt sich dieser Abschluss an unterschiedlichen Schul- und Bildungseinrichtungen.

Zu unterscheiden ist zwischen der allgemeinen Fachhochschulreife und der fachgebundenen Fachhochschulreife. Letztere beschränkt sich auf die Studienberechtigung für eine bestimmte Fachrichtung.

Aufbau

Zusammengesetzt wird die Fachhochschulreife aus einem schulischen sowie einem berufsbezogenen Teil. Den schulischen Part können die Schüler normalerweise nach Beendigung der 12. Klasse an einer höheren Schule absolvieren, wie zum Beispiel an

  • einem Gymnasium
  • einer Gesamtschule
  • einer Fachoberschule
  • einer Berufsoberschule
  • einem Berufskolleg oder
  • einem Telekolleg.

Eine weitere Möglichkeit ist der Abschluss von Belegfächern an Fachschulen auf Oberstufenniveau, der mit einer Berufsausbildung verbunden ist. Der berufsbezogene Part der Fachhochschulreife setzt sich aus einem Berufspraktikum, das 6 Monate bis 1 Jahr dauert, oder einem Praktikum in der Fachoberschule in der 11. Jahrgangsstufe sowie einer abgeschlossenen Berufsausbildung zusammen.

Anerkennung der Fachhochschulreife

Innerhalb der Bundesrepublik Deutschland wird die Anerkennung der Fachhochschulreife durch die Elf-Länder-Vereinbarung geregelt. Um in anderen Staaten zu studieren, taugt die deutsche Fachhochschulreife jedoch nur bedingt.

Informieren Sie sich hier detaillierter über die Fachhochschulreife.

Mit der Fachhochschulreife kann man an einer Fachhochschule studieren
Mit der Fachhochschulreife kann man an einer Fachhochschule studieren

Mittlere Reife (Realschulabschluss)

Bei der mittleren Reife handelt es sich um den mittleren Bildungsabschluss. Neben der Bezeichnung Mittlerer Reife gibt es noch weitere Namen für diesen Schulabschluss, die von Bundesland zu Bundesland variieren.

So bezeichnet man die mittlere Reife

  • in Berlin, Bremen und Hessen als Mittleren Schulabschluss (MSA)
  • in Bayern und dem Saarland als Mittleren Schulabschluss (MSA)/Mittleren Bildungsabschluss (MSB)
  • in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg als Fachoberschulreife
  • in Niedersachsen als Sekundarabschluss I und
  • in Rheinland-Pfalz als qualifizierten Sekundarabschluss I.
Geschichte

Realschulabschlüsse wurden in Preußen schon ab 1832 anerkannt, um mittlere berufliche Laufbahnen zu ermöglichen. Seit 1970 verwendet man in Deutschland die Begriffe Mittlere Reife und Realschulabschluss synonym.

Allerdings ist es den Bildungspolitikern der einzelnen Bundesländer bis heute nicht gelungen, eine Einigung über eine gemeinsame Namensgebung zu erzielen, woraus die Vielfalt der unterschiedlichen Bezeichnungen resultiert.

Berechtigung

Die mittlere Reife berechtigt dazu, höhere Schulformen der Sekundarstufe II wie

  • ein Gymnasium
  • eine Berufsoberschule
  • eine Fachoberschule oder
  • einen Berufskolleg

zu besuchen. Die Aufnahme hängt jedoch je nach Schulform und Bundesland stark von einem bestimmten Notendurchschnitt ab. Mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz ist der Erwerb der Mittleren Reife inzwischen in sämtlichen Bundesländern an zentrale Prüfungen gekoppelt. In der Realschule erhält man die mittlere Reife allgemein nach der 10. Klasse.

In einigen Bundesländern besteht auch die Möglichkeit, die Realschule mit einem erweiterten Hauptschulabschluss zu beenden, wenn der Schüler die Prüfungen zur mittleren Reife nicht besteht, aber das Klassenziel dennoch erreicht.

Darüber hinaus lässt sich die mittlere Reife in manchen Bundesländern auch an einer Hauptschule unter bestimmten Voraussetzungen erzielen. Dazu gehört zum Beispiel ein freiwilliges 10. Schuljahr. Nachgeholt werden kann ein Realschulabschluss über den zweiten Bildungsweg in einer Abendrealschule oder durch Fernunterricht.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zur mittleren Reife.

Die Mittlere Reife wird mitunter auch Realabschluss genannt
Die Mittlere Reife wird mitunter auch Realabschluss genannt

Hauptschulabschluss und qualifizierender Hauptschulabschluss

Vierte und letzte Schulabschlussmöglichkeit in Deutschland ist der Hauptschulabschluss. Er gilt als Mindestvoraussetzung für eine Ausbildung.

Hauptschulabschluss

In Deutschland wird der Hauptschulabschluss als Mindestvoraussetzung angesehen, um eine Ausbildung oder einen höheren Schulabschluss absolvieren zu können. Außerdem ist er meist eine Voraussetzung für das Eintreten in spezielle Fachschulen oder Berufsfachschulen. Es ist aber auch durchaus möglich, eine Berufsausbildung ohne einen Schulabschluss zu beginnen.

Erreichen des Hauptschulabschlusses

In Deutschland erreicht man einen Hauptschulabschluss

  • wenn die Hauptschule oder die 9. Klasse einer Gesamtschule erfolgreich beendet werden
  • durch eine Hauptschulabschlussprüfung nach der 9. Hauptschulklasse
  • durch eine Schulfremdenprüfung oder
  • durch das Bestehen einer Zusatzprüfung an beruflichen Schulen.

Es ist aber auch möglich, einen Hauptschulabschluss durch das erfolgreiche Abschließen von Kursen an Volkshochschulen oder Abendhauptschulen zu erlangen.

Qualifizierender Hauptschulabschluss

Eine Sonderform des Hauptschulabschlusses stellt der qualifizierende Hauptschulabschluss (QA) dar. Angeboten wird er in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Hessen und Bayern.

Die besondere Leistungsfeststellung der Hauptschule erfolgt freiwillig. Die Teilnahme ist auch für externe Gymnasiasten und Realschüler möglich.

Durch den qualifizierenden Hauptschulabschluss sollen die Aussichten von Hauptschülern auf einen Ausbildungsplatz verbessert werden. So berechtigt er zum Besuch von Wirtschaftsschulen und Berufsfachschulen in zweijähriger Form.

Zusammengesetzt wird der qualifizierende Hauptschulabschluss aus fünf Prüfungsgruppen. Diese lassen sich zum Teil vom Schüler selbst auswählen.

Hier geben wir weitere Informationen zum Hauptschulabschluss.

Jeder zweite Schulabgänger ist nicht qualifiziert für eine Lehrstelle

Arbeiter mit rotem Gehörschutz mit zwei Auszubildenden mit gelbem Gehörschutz an einer Maschine
Woodwork apprenticeship © auremar - www.fotolia.de

Jeder zweite Bewerber auf eine Ausbildungsstelle ist nicht qualifiziert und gilt als “nicht ausbildungsreif”. Dies ergab eine Umfrage bei 15.000 Unternehmen in Deutschland. Diejenigen, die heutzutage die Schule verlassen, weisen meisten nicht einmal die grundsätzlichen Qualifizierungen auf, geschweige denn dass sie ausreichend für eine Lehrstelle wären.

Teilweise kommen dabei ganz gravierende Mängel in den Grundbildungsthemen wie Rechnen, Schreiben und Lesen zu Tage. Außerdem ist oft keine Kompetenz zur Teamfähigkeit vorhanden, und Tugenden wie Höflichkeit, Disziplin und Pünktlichkeit sind ebenfalls keine Selbstverständlichkeit mehr.

Und gegen diese Missstände gehen sogar die Betriebe selber an. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe gab an, dass sie in Eigenregie Nachhilfe anböte, damit wenigsten die Grundkenntnisse vorhanden sind.

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Quellenangaben

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  • Bildnachweis: Students having fun © gajatz - www.fotolia.de
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Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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