14. Dezember 2011
Von Marco Stephan
In amerikanischen Schulen ist es üblich, das Kinder Briefe schreiben und diese in eine Zeitkapsel tun. Die Kapsel wird dann erst beim Jahrgangstreffen in 10 Jahren und länger geöffnet. Es ist immer wieder unglaublich spannend, wenn die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft. Mancher Erwachsene hat als Kind Gedanken aufgeschrieben, die im Erwachsenenalter eine viel tiefere Bedeutung annehmen können, als es dem jungem Geist damals bewusst war.

Das Finden und Lesen jener Briefe gleicht im Erwachsenenalter einer Kommunikation mit der jüngeren Version seines Selbst. Diese Art der Kommunikation ist sehr einfühlsam und bereichernd sowohl in der Zeit des Schreibens als vor allem in der Zeit des Lesens. Es zeigt, wer man zur Zeit des Schreibens war, gibt die Möglichkeit zu sehen und zu erkennen, wie man seitdem gewachsen und gereift ist und zeigt, geschrieben und formuliert in der eigenen Handschrift, was man im jetzigen Alltag an sich noch zu verbessern und zu verändern hat.
An dieser Stelle kommt die Zeitkapsel an: Sie möchten Ihr zukünftiges Ich wissen lassen, was Ihnen im jetzigen Lebensabschnitt wichtig ist. Schreiben Sie über die Menschen und die Gedanken, die in den gegenwärtigen Tagen Ihre Kopfarbeit und Gefühlswelt bestimmen. Schreiben Sie über Ihre Arbeit, Ihre Karriere, was Sie daran mögen und was nicht. Setzen Sie fort mit dem, was Ihnen in Ihrem Leben Spaß bringt und was Sie unbedingt in absehbarer Zeit ändern möchten. Es ist auch immer lustig, wenn Sie zurückblicken und formulieren, wie sich Ihr Leben von einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit bis hin zum heutigen Tag entwickelt hat. Sie werden sehen: Die meisten Dinge, die heute für Sie das Ende der Welt bedeuten, werden Sie in einigen Jahren nicht mehr annähernd so sehr belasten.
Ein Ratschlag aus der Sozialwissenschaft besagt, dass wenn immer man sich wütend fühlt, einen Konflikt hat oder wegen etwas ängstlich ist, das Niederschreiben die Situation leichter werden lässt. Dieser Ratschlag kann im Kindes-, Teenager-, jungen Erwachsenenalter bis hin zum Rentenalter wertvoll und sortierend sein. Verwenden Sie diesen kleinen Ratschlag in Ihrem Briefinhalt. Nicht nur, dass Sie in späteren Jahren, wenn Sie den Brief lesen, mit Sicherheit über Ihre Ängste und Wutanfälle schmunzeln und lachen werden. Es wird Ihnen auch dabei helfen einige der aktuellen Sorgen und Ängste zu sortieren und zu besänftigen.
Wenn Sie mehr als einen Brief an sich selbst schreiben wollen, vergewissern Sie sich, dass Sie in dem aktuellen Brief Fragen an sich stellen, die Sie im nächsten Brief beantworten werden. Fragen Sie sich selbst, wie sich die Veränderungen, die Sie in den Tagen eingeleitet haben, auf Ihren Alltag ausgewirkt haben. Haben Sie den Job bekommen, für den Sie sich beworben haben? Wie war die erste Verabredung mit der zugezogenen Nachbarin? Wird es zu etwas Ernsthaftem? Halten Sie stets die bedeutenden Veränderungen in Ihrem Leben fest, die sich seit dem Schreiben des letzten Briefes entwickelt haben. Was ist seit Schreiben des letzten Briefes in Ihrem Umfeld und an Ihnen selbst anders?
In Ihrem Brief sollten Sie Ihre Hoffnungen, Ziele und Sehnsüchte für Ihre Zukunft formulieren. Das Aufschreiben dieser Zukunftsgedanken führt dazu, dass Sie die Gedanken aus Ihrem Kopf herausnehmen können und Ihre Wünsche für die Zukunft durch das Lesen des Briefes visualisiert werden. Wenn Sie in zukünftiger Zeit Ihren Brief erneut lesen, dienen Ihre Zukunftsgedanken als Wegweiser und Maßstab – messend und prüfend, was Sie davon bisher erreicht und umgesetzt haben und woran Sie noch zu arbeiten haben.
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