Gesellenprüfung - Ablauf und Tipps zur Vorbereitung

Eine Gesellenprüfung ist eine in Handwerksberufen vorgeschriebene Prüfung am Abschluss der Ausbildung. Lehrlinge, die die Voraussetzungen erfüllen und die Zulassung erhalten haben, müssen eine praktische und eine theoretische Prüfung absolvieren. Um beide Prüfungsteile möglichst stressfrei hinter sich zu bringen, ist es hilfreich, den Ablauf zu kennen, und natürlich ist auch eine gründliche Vorbereitung wichtig. Lesen Sie, wie eine Gesellenprüfung abläuft, und wie man sich am besten darauf vorbereitet.

Der Abschluss der Ausbildung - Rund um die Gesellenprüfung

Gesellenprüfung: eine Definition

Die berufliche Ausbilung endet mit einer Abschlussprüfung. Mit dieser erhält der Auszubildende einen Nachweis über die erfolgreich absolvierte Berufsausbildung. Je nach Branche und Sektor unterscheidet man

  • die Gesellenprüfung (in handwerklichen Ausbildungsberufen)
  • die Facharbeiterprüfung/Facharbeit (im Industriesektor) sowie
  • die Gehilfenprüfung im kaufmännischen Sektor und anderen Dienstleistungssektoren.

In der Regel meldet der Ausbildungsbetrieb den Auszubildenden bei der örtlichen Berufskammer an und erhält dann einen Prüfungstermin. Die Durchführung der Prüfung erfolgt von den örtlichen Berufskammern; sie ist von einer zentralen Prüfungskommission erstellt.

Handelt es sich um einen dualen Ausbildungsberuf, folgt nach der theoretischen noch eine praktische Prüfung, abgenommen durch den Prüfungsausschuss in dem jeweiligen Betrieb. Bei Bestehen der Abschlussprüfung endet das Berufsausbildungsverhältnis; sofern eine weitere Beschäftigung im Betrieb erfolgt, gilt die Vereinbarung eines Arbeitsverhältnisses auf unbestimmte Zeit.

Bei nicht bestandener Prüfung endet das Ausbildungsverhältnis zunächst ebenso; der Auszubildende kann dies jedoch bis zur wiederholten Prüfung verlängern lassen. Dabei gilt eine maximale Dauer von einem Jahr.

Gesellenprüfungen finden wie bereits erwähnt am Ende der Ausbildung in einem handwerklichen Beruf statt. Sie dient der Überprüfung der beruflichen Handlungsfähigkeit des Prüflings; zu dieser zählen Planung, Durchführung und Kontrolle.

Ablauf

Im Folgenden gehen werfen wir einen Blick auf den Ablauf bzw. die Bestandteile einer Gesellenprüfung.

Der schriftliche Teil

In der Regel finden die schriftlichen Prüfungen vor den praktischen statt. Geprüft werden ausbildungsrelevante Fächer sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Je nach Ausbildungsberuf kann es hier aber auch Abweichungen geben.

Zumeist findet der schriftliche Teil der Gesellenprüfung direkt in der Berufsschule oder bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer bzw. der Handwerkskammer statt. Alle Fächer werden direkt hintereinander geprüft, wobei für jedes Fach rund zwei Stunden einkalkuliert werden.

Im Normalfall werden keine Hilfsmittel zugelassen. Zudem muss gewährleistet sein, dass es sich um eine Einzelleistung handelt. Mit den Ergebnissen der schriftlichen Abschlussprüfungen können die Lehrlinge wenige Wochen später rechnen.

Der mündliche Teil

In einigen Ausbildungsberufen gibt es ergänzend zur schriftlichen noch eine mündliche Prüfung. Diese ist weniger umfangreich und findet entweder am Tag der schriftlichen oder der praktischen Prüfung statt. Neben einem Berufsschullehrer sind noch weitere Prüfer der zuständigen Kammer anwesend.

Der praktische Teil

Auch die praktische Prüfung beginnt bereits mit der Vorbereitung. Arbeitswerkzeuge sollten frühzeitig auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit kontrolliert werden.

Am Tag der Prüfung erhalten die Lehrlinge zunächst die genaue Aufgabenstellung. Von da an läuft die Zeit.

Der Prüfling muss sich seine Arbeitszeit und die Pausen meist selbst einteilen. Für die Prüfer zählt schließlich nur das Ergebnis.

Nach etwa 8 Stunden endet die Bearbeitungszeit. Die Prüfer begutachten nun das Gesellenstück bzw. die Arbeit.

Oft steht das Ergebnis noch am selben Abend fest und wird den Prüflingen umgehend mitgeteilt. Auf das endgültige Abschlusszeugnis sowie den Gesellenbrief müssen die frischgebackenen Gesellen aber meist noch etwas warten.

Die Gesellenprüfung als Abschluss der Berufsausbildung
Die Gesellenprüfung als Abschluss der Berufsausbildung

Mögliche Auszeichnungen

Besonders gute Leistungen werden auf Innungsebene ausgezeichnet. Diejenigen, die im theoretischen und praktischen Teil die besten Ergebnisse geliefert haben, werden Kammersieger.

Die weitere Runde zeichnet Landessieger aus, welche Ehrenuhrkunden erhalten. Diese werden in der REgel vom jeweiligen Ministerpräsident des Bundeslandes vergeben.

Es folgt die Ermittlung des Bundessiegers, der seine goldene Ehrenurkunde des Deutschen Handwerkskammertages vom jeweiligen Bundespräsidenten überreicht bekommt. Schließlich hat der Bundessieger die Chance auf ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Dies ist Teil der Hochbegabtenförderung und berechtigt zum Studium an Hochschulen und Universitäten.

Unter gewissen Voraussetzungen kann eine Gesellenprüfung vorgezogen werden...

Hinweise zur vorgezogenen Gesellenprüfung

Wer besonders gute Leistungen vollbringt, hat die Möglichkeit, eine vorgezogene Gesellenprüfung zu beantragen. Voraussetzung ist die Bescheinigung überdurchschnittlicher Leistungen durch den Ausbildungsbetrieb sowie die Berufsschule.

Die Gesellenprüfung kann dadurch ein halbes Jahr früher absolviert werden. Entscheidend ist, dass der Ausbildungsbetrieb der Vorziehung zustimmt und dem Auszubildenden "gute" bis "sehr gute" praktische Leistungen bescheinigt. In den Fächern, die für die Prüfung relevant sind, müssen mindestens "gute" Noten erzielt werden.

Für bestmögliche Leistungen bedarf es natürlich einer entsprechenden Vorbereitung...

Tipps zur Vorbereitung auf die Gesellenprüfung

Mit der Gesellenprüfung endet die Zeit als Lehrling. Wer nicht vom Ausbildungsbetrieb übernommen wird, muss sich mit der Note des Gesellenbriefs bei anderen Arbeitgebern bewerben. Da die Note der Gesellenprüfung einen Großteil der Gesamtnote ausmacht, lohnt es sich, die Abschlussprüfung gut vorzubereiten.

Generelle Lerntipps

Natürlich muss jede Gesellenprüfung individuell vorbereitet werden. Es gibt jedoch einige Tipps, die man generell beim Lernen beachten sollte. Empfehlenswert ist es, einen Lernplan aufzustellen; in diesen trägt man die Wochenziele, die man erreichen möchte, ein. Auf diese Weise erhält man einen guten Überblick über seine Fortschritte und weiß auch, wann man noch etwas mehr Zeit zum Lernen einplanen sollte.

Des Weiteren gilt es herauszufinden, zu welchem Lerntyp man angehört. Jeder muss für sich selbst herauusfinden, auf welche Art und Weise er sich den Lernstoff am besten einprägt, so etwa durch einfaches Lesen oder das Erstellen von Karteikarten etc.

Wichtig ist, auf eine ruhige Lernumgebung zu achten. Je nach Wohnsituation sollte man auch Mitbewohner oder Familie um Rücksicht bitten.

So viel man auch zu lernen hat - regelmäßige Pausen sind wichtig, um das Gelernte besser verarbeiten zu können. Es wird empfohlen, die Pausen mit Bewegung zu kombinieren, wie etwa mit Sport oder einem Spaziergang.

Hilfreich ist zudem, die Gesellenprüfung möglichst nachzuspielen. Wer alte Prüfungsaufgaben findet und jemanden um Hilfe bittet, kann eine solche Situation ganz gut nachahmen.

Um Prüfungsangst abzubauen, sollte während der Vorbereitung bei der Beantwortung der Fragen die Zeit gestoppt werden. Auf diese Weise wird schnell deutlich, in welchen Bereichen man sich am sichersten fühlt; mit diesen sollte man dann auch bei der Prüfung anfangen. So wird man sicherer, was wiederum dazu führt, dass man Prüfungsangst abbauen kann.

Vorbereitung auf den theoretischen Teil

Die theoretische Prüfung findet meist in schriftlicher, manchmal ergänzend noch in mündlicher Form statt. Für diesen Teil der Gesellenprüfung ist das theoretische Fachwissen entscheidend, das in der Berufsschule vermittelt wurde. Prüflinge sollten sich daher einen Überblick über die fächerrelevanten Themen verschaffen.

Oft geben die Berufsschullehrer Tipps, welche Themen Priorität haben. Ist dies nicht der Fall, sollte man sich frühzeitig bemühen, den gesamten Stoff der Berufsschuljahre aufzufrischen. Hierfür kann es hilfreich sein, ein paar Wochen vor dem Prüfungstermin einen Lernplan zu erstellen und diesen strikt durchzuarbeiten.

Als Arbeitsgrundlage sollten sowohl Mitschriften aus den einzelnen Fächern dienen, als auch Fachliteratur. Abhängig vom individuellen Lerntyp können eine stichpunktartige Zusammenfassung oder das Gespräch mit Klassenkameraden bei der Prüfungsvorbereitung hilfreich sein.

Wenn man Glück hat, findet man Wege, an die Prüfungsfragen der vorigen Jahre zu kommen. So erhält man einen Eindruck von dem Umfang und der Art der Fragen. Für einige Ausbildungsberufe gibt es Beispielaufgaben in Buchform, die im Buchhandel erworben werden können.

Vorbereitung auf den praktischen Teil

Auch für die praktische Gesellenprüfung lautet die Devise: Übung macht den Meister. Die praktischen Fertigkeiten kann man sich nicht von einen auf den anderen Tag aneignen, nicht umsonst dauert eine Lehre zwei bis drei Jahre. Dennoch ist es wichtig, ein paar Wochen vor der praktischen Abschlussprüfung Arbeitsvorgänge und Handgriffe vermehrt zu wiederholen.

Wer die Möglichkeit hat, einen Tag unter Prüfungsbedingungen zu arbeiten, sollte diese ausnutzen. Zudem macht es Sinn, den Ausbilder oder andere Gesellen um eine Rückmeldung zu den angefertigten Probestücken zu bitten. Das Entgegennehmen von Verbesserungsvorschlägen und Kritik gehören zu einer guten Vorbereitung auf die Gesellenprüfung unbedingt dazu.

In einigen Berufen ist es üblich, mit dem eigenen Werkzeug zu arbeiten. Soll dieses bereits bei der Gesellenprüfung zum Einsatz kommen, ist eine Einarbeitung sinnvoll. Werkzeug, das nicht gut in den Händen liegt, kann im schlimmsten Fall die ganze Prüfung vermiesen.

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