1. Juni 2010
Der Bologna-Prozess ist in aller Munde, doch selbst die Verantwortlichen wissen anscheinend nicht so recht, was sie mit dem neuen Modell anfangen sollen. Fakt ist, dass der Arbeitsmarkt die Bachelorabsolventen nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird.
Die Idee hinter den modularisierten Studiengängen ist im Grunde genommen recht sinnvoll: die Studierenden sollen möglichst schnell ins Berufsleben einsteigen können und statt trockener Theorie mehr Praxis vermittelt bekommen. Was dabei oft vergessen wird, ist es jedoch die Tatsache, dass ein Hochschulstudium nun mal keine Ausbildung, sondern eine akademische Angelegenheit ist. Das zeigt sich vor allem bei solchen Studiengängen wie Jura, die bisher mit einem Staatsexamen abgeschlossen wurden. Von einem guten Anwalt erwartet man, dass er sich blendend mit dem Gesetz auskennt und spielend mit den Paragraphen hin und her jongliert. Das kann ein Student nach sechs Semestern an der Hochschule jedoch keinesfalls leisten. Meistens sind sogar die Rechtspfleger mit ihrer Ausbildung besser auf den Beruf vorbereitet als die so genannten Bachelor of Law.
Auch der Lehrerberuf lässt sich nicht wirklich mit dem Bologna-Prozess vereinen. Innerhalb von drei Jahren kann man sich nicht das Wissen und die Praxis aneignen, die man braucht, um Heranwachsende adäquat ausbilden zu können.
Die Berufschancen für den Bachelor sind also denkbar schlecht. In machen Fachgebieten, wie zum Beispiel der Psychologie, kann man mit einem Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt schlichtweg nichts anfangen. Er kann zwar alles ein bisschen, aber eben nichts wirklich richtig.
Die Unternehmen bevorzugen daher die Absolventen mit Diplom, die zwar schon etwas älter sind, aber dafür allumfassend ausgebildet wurden. Im Lauf der Zeit werden die diplomierten Akademiker zwar verschwinden, es ist jedoch fraglich, ob das dem Bachelor zugute kommen wird. Schließlich gibt es auch noch den Master, den viele Studierende anstreben, um zumindest ein wenig konkurrenzfähig zu werden.
Wer irgendwie die Möglichkeit dazu hat, sollte daher unbedingt die Chance ergreifen und auf den Bachelor noch einen Master setzen. Nur so ist gewährleistet, nach dem Studium einen angemessenen Beruf ergreifen zu können.
Wer trotzdem nicht über den Bachelor hinausgehen möchte, sollte sich für einen Studiengang entscheiden, der möglichst breit gefächert ist. Mit einem Bachelor in BWL hat man beispielsweise noch recht gute Chancen, da es in dieser Branche auch im niedrigeren Sektor großen Bedarf gibt.
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