19. Januar 2011
Im Juli 2009 verstarb Merce Cunningham im Alter von 90 Jahren in New York City. Er war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Tänzer und Choreographen des 20. Jahrhunderts. Viele Entwicklungen des modernen Tanzes wären ohne seine Ideen und seinen Einfluss nicht möglich gewesen. Mehr über das außergewöhnliche Leben und sein Werk können Sie hier erfahren.
Als Sohn eines Rechtsanwalts entwickelte Cunningham schon recht früh Interesse am Tanz. Bei seinen ersten Auftritten zeigte er vorwiegend den Stepptanz, wandte sich dann aber mehr und mehr dem Ballett und dem Klassischen Tanz zu. Nach einer Ausbildung mit Schwerpunkt Schauspielunterricht am Cornish College of the Arts zog es ihn endgültig zum Tanz hin.
In dem Pianisten John Cage lernte Cunningham nicht nur seinen Lebenspartner, sondern auch den wichtigsten Partner bei seiner Arbeit kennen. John Cage lieferte die Musik für die Choreographien, die Cunningham für die Cunningham Company entwarf. Die Bühnenbilder stammten größtenteils von Robert Rauschenberg, einem der führenden Künstler der Pop-Art.
Auf diese Weise vereinte Cunningham das klassische Ballett mit der Pop-Art. Doch dabei ist nicht nur von Bedeutung, was mit dem bloßen Auge zu erkennen ist: Auch die Philosophie und das Selbstverständnis des Tanzes erfand er mit unorthodoxen Methoden komplett neu. So entschied er, sich von den strengen Formen zu verabschieden und mehr Individualismus im Tanz zu ermöglichen. Es entstanden sehr außergewöhnliche Choreographien, die ihr Gegenstück in den Künsten der Pop-Art fanden und sich mit ihnen optimal ergänzten. Bis ins fortgeschrittene Alter blieb Cunningham selbst als Tänzer aktiv.
Die Werke Cunninghams werden bis heute von den führenden Tanzkompanien weltweit aufgeführt. Im Jahr 2005 wurde Cunningham mit dem Preis "Praemium Imperiale" ausgezeichnet, der etwa dem Nobelpreis der Künste vergleichbar ist.
Doch nicht nur die Darbietungen in Cunninghams Werken sind revolutionär, sondern auch die Wahl seiner Spielstätten. So gleichen Cunninghams Präsentationen in Museen, auf öffentlichen Plätzen und in Stadien schon mehr einer künstlerischen Installation und schlagen auch hier den Bogen hin zur Pop-Art. Das allzu strenge Klassische ist bei Cunningham zwar noch zu finden, jedoch nimmt er ihm die Dominanz. Cunningham verkörpert mit seinen Choreographien einen Zeitgeist und ein Lebensgefühl, und setzt diese Symbiosen perfekt in Szene.
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