22. Dezember 2010
Ist es richtig, dass der Bauchtanz in seiner ursprünglichen Form ein reiner Geburts- und Fruchtbarkeitstanz war? Dies wird in vielen Broschüren und Informationsmaterialien so dargestellt. Doch was an dieser Behauptung stimmt tatsächlich? Wir haben für Sie nachgeforscht.
Richtig und nachweislich ist, dass es in den meisten Naturvölkern - ganz egal wo auf unserer Erde diese angesiedelt waren - eine hohe Tradition und Kultur an Fruchtbarkeitstänzen gab. Diese wurden mit nur sehr wenigen Ausnahmen von Frauen aufgeführt. Mit diesen Tänzen sollte der Körper entspannt werden. Gleichzeitig waren die Tänze eine Darbietung an die Götter, die um Fruchtbarkeit gebeten wurden. Typisch für diese Tänze waren kreisende Bewegungen des Beckens und andere erotische Bewegungen. Zum Teil hatten die Tänze auch die ganz pragmatische Ausrichtung, das sexuelle Interesse der Männer zu stimulieren.
Bestimmte Elemente aus diesen Fruchtbarkeitstänzen wurden auch für die Geburtsvorbereitung übernommen. Teilweise wurden sie sogar während der Geburtswehen praktiziert, um die Muskulatur zu lockern und Anspannungen sowohl körperlicher als auch seelischer Natur zu vermeiden. In vielen Völkern werden diese Tänze heute noch zur Erleichterung der Geburt eingesetzt. In Europa gibt es eine breite alternative Geburtshelferszene, in der diese Tänze oder Elemente daraus zum Teil auch gelehrt werden.
Betrachtet man sich die einzelnen Elemente des klassischen Bauchtanzes einmal näher und vergleicht sie mit diesen Fruchtbarkeits- und Geburtstänzen, so lassen sich Gemeinsamkeiten unschwer feststellen. Dennoch ist es nicht richtig deshalb zu behaupten, dass es sich beim Bauchtanz um eine reine Weiterentwicklung des Fruchtbarkeits- und Geburtstanzes handelt. Vielmehr ist der Bauchtanz eine Mischung vieler Elemente, in den eben auch die ursprünglichen Fruchtbarkeitstänze mit einfließen. Sie bilden eine bunte Mischung zusammen mit anderen rituellen Tänzen.
Heute dient der Bauchtanz in unseren Breiten vorwiegend der Unterhaltung von Zuschauern. Er wird in prächtigen Kostümen vorgeführt und enthält immer auch eine erotische Komponente, die sparsam dosiert werden sollte, um die Seriosität des Tanzes zu wahren. Vielerorts wird der Bauchtanz auch als sportliche Betätigung während der Schwangerschaft angeboten. Mit den kreisenden Bewegungen von Hüfte, Bauch und Becken werden die Muskeln gleichzeitig gestärkt und gelockert. Das Körperempfinden der Schwangeren wird verbessert. Viele Komponenten aus den ursprünglichen Fruchtbarkeits- und Geburtstänzen konnten bis heute erhalten werden und fließen hier mit ein.
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