26. Juni 2010
Von Andreas Hadel
Es ist ein zunehmend größer werdendes Problem unserer modernen Gesellschaft, dass Kinder an einer mangelnden körperlichen Fitness leiden. Der heutige Lebensstil, der mit Spielkonsolen, Internet und DVDs die Erwachsenen von morgen bereits schon im frühesten Kindesalter an den Stuhl fesselt, führt dazu, dass bereits schon 20-Jährige an Problemen leiden, die noch vor Kurzem eher bei Menschen mittleren Alters zu beobachten waren.
Aktuelle Umfragen und Statistiken zeigen, dass die kindliche Unsportlichkeit kein Mediengespenst ist. Weniger als ein Drittel aller Kinder in westlichen Ländern treibt regelmäßig Sport oder bewegt sich häufig an der frischen Luft. Auf der anderen Seite zeigen im Leistungssport, dass heutige Kinder und Jugendliche zu weitaus höheren Leistungen imstande sind, als es vor 20 Jahren der Fall war. Diese Gruppe ist freilich verschwindend klein, zeigt aber, dass es doch zumindest möglich sein muss, selbst in unserer von Technik bestimmten Zeit, einen gesunden und fitten Lebensstil im Leben eines Kindes etablieren zu können. Doch wie geht man dabei am besten vor?
Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Kind von heute auf morgen auf dem Spielfeld Vollgas geben kann. Im Idealfall sollte kein Kind direkt vom Sofa in einen Mannschaftssport gedrängt werden, bei dem bereits ein gewisses Leistungsniveau erwartet wird. Stattdessen sollte das Kind eher über sechs Wochen lang irgend eine unspezifische Form des Trainings durchlaufen. Unspezifisch soll hierbei heißen, dass es sich nicht um eine organisierte Sportart handeln sollte. Bringen Sie Ihr Kind dazu, mehr an der frischen Luft zu unternehmen und gemeinsam mit Freunden verschiedene Ballspiele auszuprobieren. Was wir Erwachsene häufig gern vergessen, ist, dass unsere Kinder eine völlig andere Körpererfahrung haben als wir es in ihrem Alter hatten. Für viele von uns war es im Kindesalter völlig normal, dass wir im Garten umgegraben haben, auf Bäume geklettert sind, schwere Müllsäcke herunter gebracht haben und mit unseren Freunden nach der Schule den ganzen Nachmittag draussen gespielt haben. Laufen, Rangeln, Klettern und Bälle werfen war für uns kein exklusiver Bestandteil des Sportunterrichts, sondern ganz normaler Alltag. Das Kind von heute, das mit Balkon statt Garten, Müllschlucker statt Mülltonnen, Zentralheizung statt Kohleofen oder Playstation statt Spielplatz aufwächst, kommt selten dazu, einmal am Stück über mehr als 20 Meter zu sprinten. Insofern ist es von Bedeutung, die Kleinen an die in ihnen wohnenden Fähigkeiten heranzuführen, weil sie sie im normalen Alltag nur noch selten von selbst erfahren können.
Sportstars wie Boris Becker und Franziska van Almsick haben Eltern dazu motiviert, ihre Kinder schon von frühester Kindheit an, Woche für Woche auf den Tennisplatz oder eben ins Schwimmbad zu schicken. Nur in Ausnahmefällen wurde mit der gleichen Beharrlichkeit die sportliche Ausbildung allgemeiner Natur betrieben. Und genau da liegt der Hund begraben. Eine zu frühe Spezialisierung kann für Kinder alles andere als förderlich sein. In jedem Lebensabschnitt kann sich der kindliche Organismus verschieden gut an sportliche Belastungen anpassen. Will man die Zusammenhänge grob vereinfacht ausdrücken, dann müsste man sagen, dass je jünger ein Kind ist, um so eher kann es schwierige Bewegungsmuster lernen. Wenn es älter ist, kann es eher bei der Verbesserung von Grundfähigkeiten wie Ausdauer und Kraft höhere Leistungssprünge verzeichnen. Im Idealfall sollte ein junges Kind also eher mit möglichst vielen unterschiedlichen Sportarten im Kontakt kommen, um eine komplexe Körpererfahrung zu sammeln. Nur so lässt sich auch herausfinden, in welcher Sportart ihr Kind tatsächlich Talent hat und ob es sich dafür begeistern kann.
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