18. Oktober 2011
Der heutige Schau-Schwertkampf ist kein Kampf, bei dem es um Sieg oder Niederlage geht, er soll lediglich das Publikum unterhalten. Nachgestellt werden spektakuläre Szenen des Mittelalters, die choreographisch aneinandergereiht sind. Frühere Ritterturniere hingegen konnten durchaus über Leben und Tod entscheiden.
Im Mittelalter war es üblich, Turniere mit scharfen oder stumpfen Waffen abzuhalten. Dies konnten beispielsweise Lanzen oder Schwerter sein. Teilweise ging es dabei um die Demonstration eigener Stärke, teilweise aber auch um echte Auseinandersetzungen. Zeitgenössische Schriftquellen bezeichnen die damaligen spielerischen Schaukämpfe als Buhurt, gefährliche Kämpfe in der Gruppe als Turnei. Einzelkämpfe bekamen den Namen Tjost. Letztere wurden zu Pferde ausgetragen.
Schau-Schwertkämpfe waren immer eine gefährliche Angelegenheit, selbst, wenn sie mit stumpfen Waffen ausgetragen wurden. Schnell passierte es, dass der eigentlich friedliche Charakter des Gefechtes in Ernst umschlug und die vorgeschriebenen Regeln nicht eingehalten wurden, so dass es zu schweren Verletzungen, schlimmstenfalls zu einem tödlichen Ausgang kam. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Schau-Schwertkämpfe eine gute Möglichkeit boten, kriegerische Fähigkeiten des Kämpfers erkennen zu lassen. Kriegsfürsten gewannen auf diese Weise ihre besten Söldner oder Leibgardisten.
Ab dem 16. Jahrhundert dienten Schau-Schwertkämpfe immer mehr der Unterhaltung. Sie wurden im Zusammenhang mit Festen ausgetragen oder zu Zeiten der Waffenruhe zwischen den Kriegszeiten. Edelleute und Adlige beteiligten sich gleichermaßen an diesen Turnieren und fanden im Laufe der Zeit mehr und mehr Gefallen an den ausgeschriebenen Teilnahmebedingungen und den Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Kein Wunder, dass die Grenzen der spielerischen Auseinandersetzung häufig schnell überschritten wurden.
Die Kirche war bemüht, Einfluss auf das Treiben zu nehmen und verbat kriegerische Gefechte zum Zwecke der Belustigung. Dennoch gelang es ihr nicht, diese ganz zu verhindern. Schnell wurde den Veranstaltungen der Anschein gegeben, es ginge lediglich darum, reiterische Fähigkeiten zu messen.
Aktuell haben Vereine, die sich um die kulturelle Erhaltung beziehungsweise Wiederbelebung mittelalterlicher Lebensweise bemühen, großen Zulauf. Sie veranstalten Feste, präsentieren sich auf Jahr- und Wochenmärkten. Und sie führen Schwert-Schaukämpfe auf. Getötet wird dabei heute aber niemand mehr, vielmehr sind jeder Schritt und jeder Schlag im Vorfeld gründlich einstudiert. Insbesondere gelten internationale Regeln, die bestimmte Körperpartien als erlaubte Trefferzonen vorsehen, ein ausreichendes Training aller Teilnehmenden ist ebenfalls Pflicht.
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