12. Mai 2008
Von Andreas Hadel
Irgendwann steht jeder einmal vor der Frage, woran eigentlich ein guter Trainer zu erkennen ist. Dabei ist es egal, ob Sie einen für sich selbst oder für ihre Kinder suchen. Meistens neigen Menschen dazu, sich an der sportlichen Erfolgsbilanz des potentiellen Trainers zu orientieren. Dieses Vorgehen ist jedoch damit vergleichbar, ein Buch nach dessen Umschlag beurteilen zu wollen.

Trainer bei der Taktikbesprechung
Ein erfolgreicher Athlet ist in der Regel nicht zwangsläufig auch ein guter Trainer. Das gilt natürlich auch in umgekehrter Richtung. Ein fähiger Trainer muss nicht selbst ein rekordbrechender Athlet gewesen sein.
Doug Blevins ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Doug betreibt in Florida eine Schule für American-Football-Spieler und gilt als der beste Kicker-Coach der USA, dessen Ratschläge schon viele NFL-Teams in Anspruch genommen haben. Dabei hat er selbst in seinem gesamten Leben noch nie einen Ball getreten. Doug sitzt von Geburt an in einem Rollstuhl. Doch seine Beobachtungsgabe und Fähigkeit, die komplexe Bewegung des Kickens blitzschnell analysieren zu können, sowie sein verbales Talent machten ihn zum angesehenen Experten. Dougs Biographie macht klar, dass ein Trainer über ein anderes Können verfügen muss, als ein Wettkampfsportler.
Welche Eigenschaften zeichnen nun einen guten Trainer aus?
Wenn in den Zeitungen und im Fernsehen von unerwartet auftauchenden Supersportlern die Rede ist, wird gern vergessen, dass diese ihre Leistungsfähigkeit nicht innerhalb weniger Wochen, sondern über mehrere Jahre harten Trainings erworben haben. Ein kluger Trainer weiß, dass ein behutsames Aufbauen junger Talente einer der wichtigsten Faktoren für die Leistungsausbildung ist und bringt dementsprechend ein genügend großes Maß an Geduld und Umsicht mit. Ein Trainer sollte zudem in der Lage sein, diese Erkenntnisse auch seinen Schützlingen zu vermitteln und sie so vor Überlastungsschäden bewahren.
Ein Meistermacher ist sich immer seines Fachwissens und seiner Erfahrung bewusst. Menschen, die häufig an ihren Fertigkeiten zweifeln, sind selten in der Lage, einen Jahresplan für ihre Athleten zu erstellen und an diesen tatsächlich für die vorgesehene Dauer festzuhalten. Natürlich hinterfragt ein guter Trainer auch sein Wissen und hält sich auf den aktuellen Stand der Trainingslehre und Sportwissenschaft, so dass er sein Handeln immer auf einer fachlichen Basis auf Zweckmäßigkeit prüfen kann.
Kernaufgabe jedes Trainers ist das Zusammenarbeiten mit Menschen jeden Alters und unterschiedlichen Charakters. Einfühlungsvermögen und hervorragende kommunikative Fähigkeiten sind deshalb wichtige Werkzeuge im Trainerberuf, um die individuellen Eigenschaften jedes Athleten für sein eigenes Vorankommen nutzen zu können. Das gilt zum Beispiel dann, wenn es darum geht die einzelnen Trainingseinheiten so zu gestalten, dass der Athlet regelmäßig ein Erfolgserlebnis verbuchen kann. Bei jungen Sportlern gehört zumeist auch das Auskommen mit den Eltern zu den Herausforderungen des Trainerdaseins. Ein exzellenter Trainer kann regulierend auf die elterlichen Erwartungen einwirken, falls sie zu hohe oder zu niedrige Vorstellungen an die Leistungen ihrer Kinder haben.
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