4. Juli 2008
Von Andreas Hadel
Wenn Sie schon einmal einen Wettkampf im Kraftdreikampf gesehen haben, ist Ihnen bestimmt aufgefallen, dass die Athleten oftmals sogenannte Turnerschläppchen tragen. Jenes kleine Schuhwerk, dass sonst eher filigrane Turner bei ihren Küren tragen. Warum die Kraftdreikämpfer diese Schuhe tragen und ob sie sich auch für andere Trainingszwecke eignen, erfahren Sie im folgenden Artikel.
Kraftdreikämpfer tragen Turnerschläppchen in erster Linie nur beim Kreuzheben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist es beim Kreuzheben von Vorteil, einen absolut flachen Stand zu haben. Zum anderen können die Heber den Weg, den die Hantel zurück legen muss, um bedeutende Zentimeter verkürzen, wenn sie Schuhe mit einer so dünnen Sohle tragen. Dass sie dadurch ihren Körperschwerpunkt näher an den Schwerpunkt der Hantel bringen, ist ein weiterer Grund.
Beim allgemeinen Fitness-Training spricht im Prinzip nichts gegen das Tragen von Turnerschläppchen. Allerdings bieten sie im Vergleich zu "high cut" Schuhen, also welche mit Knöchelschaft, eine deutlich geringere Stabilität. Die Tatsache, dass Turner mit Schläppchen ihre Küren, Übungen und Sprünge ausführen, beweist nicht zwangsläufig die Eignung dieser Schuhe für Sprungkniebeugen oder andere Übungen hin, bei denen explosiv gearbeitet wird. Im Turnsport werden diese Schuhe in hauptsächlich aus ästhetischen und turntechnischen Gründen getragen werden und nicht wegen ihrer hohen Stabilität.
Stabilität für zum Beispiel Kniebeugen hat ein Schuh dann, wenn er einen hohen Schaft besitzt und darüber hinaus über ein stabiles Fußbett verfügt, dass nach Außen wirkende Scherkräfte zu einem großen Teil absorbieren kann bzw. ein Umknicken des Fußes verhindert oder zumindest diese Gefahr reduziert.
Diese Vorgaben erfüllen übrigens Jogging-Schuhe nur sehr selten, weshalb sie in den meisten Fällen für ein Krafttraining ungeeignet sind. Laufschuhe sind in der Regel so konstruiert, dass ihr Fußbett das Körpergewicht abfedern kann. Das zusätzliche Hantelgewicht übersteigt nicht selten die Strapazierfähigkeit gängiger Jogging-Schuhe. Nach nur wenigen Krafteinheiten würde der Schuh zwar noch wie neu aussehen, das Fußbett wäre aber vollkommen platt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Sofern Sie keinen Zugang zu einem Monolift haben, einem extra für das Kniebeugen angefertigter Hantelständer, müssen Sie bei der Beuge mindestens einen Schritt mit der Hantel aus dem Beuge-Rack laufen. Dabei wirken während der Gewichtsverlagerung auf den aufsetzenden Fuß enorme Scherkräfte. Ein fester Schuh bietet in dieser Situation sehr guten Halt und verringert die Gefahr des Umknickens. Selbiges gilt erst recht für die Sprungkniebeugen, weshalb man diese nie ohne stabiles Schuhwerk ausführen sollte.
Die mangelnde Unterstützung gegen seitlich wirkende Schwerkräfte ist allerdings der einzige gravierende Nachteil der Turnerschläppchen. Beim Kreuzheben erlauben sie dem Athleten einen optimalen Bodenkontakt und gewährleisten eine schnelle Einnahme der richtigen Fußposition.
Falls Sie in Ihrem Fitness-Studio oder im Wettkampf einen Monolift verwenden können, kann man nicht viel gegen das Tragen von Turnerschläppchen sagen. Wenn jedoch seitlichwirkende Kräfte oder Gewichtverlagerungen charakteristisch für eine bestimmte Übung sind, wie es beispielsweise bei Sprungkniebeugen, Umsetzen, Reißen und anderen explosiv-dynamischen Übungen der Fall ist, ist ein stabiles Schuhwerk schlicht und ergreifend sicherer.
Bei den typischen Gewichtheber-Übungen sollten Sie übrigens keine Schuhe mit hohem Knöchelschaft tragen. Der notwendige Bewegungsumfang der Knöchel würde dabei sonst zu stark eingeschränkt.
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