3. April 2009
Von Andreas Hadel
Trotz hehrer Absichten ist der Anti-Doping-Kampf mittlerweile zu einem Konstrukt aus Regularien und Überwachungen mutiert, das die Persönlichkeitsrechte so der Athleten so sehr einschränkt, dass in Belgien die Verfassungsrichter über dessen Rechtmäßigkeit urteilen müssen. Dazu stellt die tägliche Sportberichterstattung nicht selten eine Selbstherrlichkeit zur Schau, die an eine Hexenjagd erinnert. Vor diesem Hintergrund ist es interessant zu wissen, dass selbst ehrliche Sportler mit einem positiven Anti-Doping-Test rechnen, wenn Sie beim Essen zufällig die falsche Wahl getroffen haben. Drei Beispiele aus der Praxis machen die Gefahr einer vorschnellen Verurteilung deutlich.
Eberleber
Eine Studie des Nationalen Labors für Veterinärmedizinische Forschung Portugals ergab, dass der Fleischverzehr von nicht kastrierten Ebern zu positiven Dopingtests führen kann.
Demnach wiesen die Testpersonen nach dem Genuß von Eberleber im Blut Abbauprodukte des leistungssteigernden Hormons Nandrolon auf. Dabei überschritt die Konzentration die Dopinggrenzwerte um das 10- bis 100-fache. Niederländische Studien bestätigen, dass Würste, die Leber von nichtkastrierten Ebern beinhalten, hohe Nandrolon-Werte aufweisen.
In Deutschland wird im allgemeinen kein Eberfleisch verarbeitet, da bei der Verarbeitung unangehmen Geruch entsteht. Jedoch in Ländern Südeuropas, sowie in Frankreich und den Benelux-Staaten ist es durchaus üblich.
Wer kurz vor einem Wettkampf Schweinefleischprodukte aus diesen Gebieten verzehrt hat, sollte vorsichtshalber vor dem Wettkampf einen Dopingtest durchführen lassen, um sich nicht den Verdacht des Dopings zu bezichtigen.
Syn-Ephedrin
Syn-Ephedrin ist eine Substanz, die häufig in sogenannten "Fatburnern" zum Einsatz kommt. Diese sollen die Thermogenese ankurbeln und so zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führen. Sportler wie auch Fitness-Fans, die solche Produkte konsumieren wollen, sollten dabei im Hinterkopf haben, dass Syn-Ephedrin eine Vorstufe von Ephedrin ist. Ephedrin steht auf den Dopinglisten und darf in fast allen westlichen Kulturen nur als verschreibungspflichtiges Medikament vertrieben werden, weil es zu Stimmungsschwankungen, Herzrhythmusstörungen und Abhängigkeit führen kann. Trotz der chemischen Verwandtschaft hat Syn-Ephedrin zwar nicht diese Nebenwirkungen, weshalb es durchaus im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät zu sichtbaren Erfolgen führen kann, allerdings spricht es die gleichen Marker wie Ephedrin an. Das bedeutet also, wenn ein Sportler seine Diät mit dem legalen Syn-Ephedrin supplementiert und eine Anti-Doping-Probe abgeben muss, das ein positives Testergebnis zur Folge haben kann.
Kaffee
Das in aller Welt beliebte Getränk und gewürdigte Muntermacher steht zwar nicht auf der Dopingliste, jedoch sein Koffein. Je nach Sportart dürfen die Athleten nur eine bestimmte Menge an Koffein im Blut haben. Wenn man jedoch am Frühstückstisch zu seinen Kaffee auch einen Grapefruit-Saft trinkt, schalten Enzyme die unmittelbare Aufspaltung des Koffeins für mehrere Stunden fast komplett aus. Jede weitere Tasse des schwarzen Bohnensaftes führt dann zu einer Anhäufung des Koffeins, das unter normalen Umständen relativ rasch abgebaut werden würde, und zu einer Überschreitung des in den Dopinglisten geforderten Limits führen.
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