Ausdauertraining Artikel
Mehr Ausdauer dank Fett?
Von Andreas Hadel
Unsere Kohlenhydratspeicher sind einer der limitierenden Faktoren unserer Ausdauerleistungsfähigkeit. Je länger ein Athlet diese beim Laufen schonen kann, um so mehr kann er davon bei entscheidenden Antritten profitieren. Wissenschaftler stellten sich daher die Frage, ob eine zeitlich begrenzte fettreiche Ernährung dazu führen kann, dass der Fettstoffwechsel verbessert wird und so während des Laufens mehr Energie bereit gestellt werden kann.
Auch wenn die Idee, dass eine fettreiche Diät zu einer größeren Leistungsfähigkeit und geringeren Kohlenhydratabhängigkeit und damit besseren Ausdauerergebnissen führen kann, etwas gewagt anmuten kann, kommt sie nicht von ungefähr. Es ist bekannt, dass einige sehr erfolgreiche Sportler, unter anderem die russischen Ski-Langläufer vor einem Rennen mit Fett und nicht mit Kohlenhydraten "aufladen". Sportartenunabhängige Studien haben zudem gezeigt, dass bei Männern eine fettreiche Ernährung zu einen höheren Testosteron-Spiegel führen kann.
Eine der ersten Untersuchungen zu dieser Fragestellung hat ergeben, dass Spitzen-Radfahrer, die über vier Wochen eine Diät einhalten mussten, die zu 85% aus Fettkalorien bestand, ihre Fettstoffwechselrate während der körperlichen Belastung nahezu verdoppeln konnten. Die Radler schnitten nach den vier Wochen außerdem mit besseren Ergebnissen in einem Leistungstest ab.
Die Verbesserung der Ausdauer war aber insgesamt nicht groß genug, um von einen deutlichen Unterschied sprechen zu können. Dazu kommt, dass der Leistungstest mit einer Intensität durchgeführt wurde, die weit unter der liegt, die die Athleten in einer echten Wettkampfsituation zu bewältigen haben.
Dennoch wurde bei diesen Studien deutlich, dass sich der Fettstoffwechsel an die Ernährungsumstände anpasst und dies auch Auswirkungen auf die Energiegewinnung des Organismuses während körperlicher Anstrengung hat. Wie lange und in welchen Mengen ein Athlet fettreiche Nahrungsmittel zu sich nehmen sollte, um besser für ein anstrengendes Rennen gewappnet zu sein, konnte bisher noch nicht vollständig geklärt werden.
Neben dieser Einschränkung müssen auch die gewöhnlichen Leistungstest in dieser Hinsicht überdacht werden. In der Regel werden solche Tests nicht über drei Stunden ausgeführt und können deshalb nur bedingt zuverlässige Resultate liefern, von der man auf die Wettkampfleistung schließen könnte.
Berücksichtigt man all dies, bleibt trotzdem eine viel versprechende Erkenntnis übrig. Denn eine jüngst veröffentlichte Studie deutet an, dass auch eine fünf Wochen lange Diät, die zu 53% aus Fetten, 15% aus Proteinen und 32% aus Kohlenhydraten bestand, zu einer vermehrten Einlagerung von Lipiden innerhalb der Muskelfasern führen kann und auch den Fettstoffwechsel optimiert.
Die offensichtliche Kehrseite von fettreichen Diäten ist allerdings die reduzierte Kohlenhydratzufuhr, die gerade in den ersten Wochen der Umgewöhnung zu Leistungseinbrüchen, Müdigkeit und einer erhöhten Verletzungsanfälligkeit einhergehen kann.
Insofern wäre ein "Aufladen" mit Fetten nur während einer Phase mit geringem Trainingsvolumen und niedriger Intensität ideal. Nimmt man alle bisher vorliegenden Fakten zusammen, scheint bereits eine fünftägige Fett-Diät zu einem erhöhten Fettstoffwechsel zu führen. Die erhöhte Stoffwechselrate scheint auch über einige Tage konstant zu bleiben, selbst wenn man sich wieder einer ausdauersporttypischen kohlenhydratlastigen Ernährungsweise zuwendet.