12. März 2009
Von Andreas Hadel
Fast alle Sportarten, die heute mehr oder weniger bekannt sind, wurden im Laufe ihrer Entwicklung von unterschiedlichen Kulturen und Nationen geprägt. Der Prellball hingegen ist vielleicht das einzige Mannschaftsspiel, das sich ausschließlich aus Deutschland heraus gebildet hat. Wer nun einen biederen und vor Regeln erstarrten Ballsport im Sinn hat, liegt vollkommen falsch. Prellball ist ein überaus dynamisches Spiel, das den Sportlern Koordination und Taktik auf hohem Niveau abverlangt und den Zuschauern an Spannung kaum zu überbietende Begegnungen liefert.
Prellball ist eine offizielle Sportart des Deutschen Turnerbunds, der zweitgrößten Sportvereinung in Deutschland, und entstand Mitte der 1920er Jahre. Damals haben die Turner nach einer Möglichkeit gesucht, mit Ballspielen das sonst eher mit harter Disziplin durchorganisierte Training aufzulockern. Zehn Jahre später hatte sich Prellball in fast allen Turnvereinen durchgesetzt, wobei jede Turngruppe immer wieder spontan ihre eigenen Regeln vereinbarte. Eine weitere Dekade verging, bis der Turnerbund ein offizielles Regelwerk herausgab. Das gab gewissermaßen den Startschuss für die Entwicklung zum heutigen Wettkampfsport. Im Jahr 1958 wurde auf dem Deutschen Turnfest in München der Prellball zum ersten Mal als eigenständige Sportart vorgestellt und seither mit einem organisierten Wettkampfbetrieb ausgeübt.
Der Spielablauf selbst hat Ähnlichkeiten zum bekannteren Volleyball. Denn auch bei Prellball handelt es sich um eine Rückschlagsportart, wobei sich zwei Mannschaften gegenüberstehen, die jeweils aus 4 Mitspielern gebildet werden. Ziel des Spiels ist es, den Ball so in die gegnerische Hälfte zu schlagen, dass die Gegenspieler ihn nicht annehmen können. Dabei darf die ballführende Mannschaft nur drei Ballkontakte haben, bevor sie den Ball in das gegnerische Feld spielen muss. Im Gegensatz zum Volleyball muss der Ball einmal aufsetzen, bevor er die eigene Spielfeldhälfte verlässt. Das ist in etwa mit dem Aufschlag beim Tischtennis vergleichbar. Natürlich darf der Ball dabei nicht das 40 Zentimeter hohe Netz berühren, das die beiden Spielhälften voneinander trennt. Bei einem Fehler erhält jeweils die andere Mannschaft einen Punkt. Wer nach 2 Halbzeiten zu 10 Minuten die meisten Punkte gesammelt hat, geht als Sieger vom Platz.
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