Arten, Wirkungsweise und Anbringung einer festen Zahnspange

Nahaufnahme Lächeln einer jungen Frau mit Zahnspange

Bei festen Zahnspangen wird in unterschiedliche Ausführungen unterschieden, die beim Kieferorthopäden angebracht werden

Zahnfehlstellungen sind nicht nur unschön anzusehen, sondern können auch unter anderem das Sprechen oder Kauen negativ beeinflussen. Bei schiefen Zähnen kann die Zahnpflege nicht mehr ausreichend vollzogen werden und es kommt zu Karies oder Zahnfleischerkrankungen. Um Fehlstellungen auszugleichen hat sich die feste Zahnspange bewährt, die beim Kieferorthopäden angebracht wird. Hierbei gibt es verschiedene Arten zu unterscheiden.

Die Zahnspange

Die feste Zahnspange sorgt dafür, dass Fehlstellungen der Zähne am Unter- und Oberkiefer ausgeglichen werden. Diese Art der Zahnspange wird am häufigsten angewendet. Anders als bei einer herausnehmbaren Variante verbleibt die feste Spange über den Behandlungszeitraum im Mundraum. Bei der festen Zahnspange gibt es einiges zu beachten und sie bedarf gründlicher Reinigung und Pflege.

Ein häufiges Problem bei losen Zahnspangen ist, dass der Patient diese verliert oder vergisst diese regelmäßig anzuwenden. Dies ist bei der festen Zahnspange nicht der Fall. Durch die festsitzende Spange werden die Zähne effektiv zurecht gerückt und die Behandlungszeit dadurch im Vergleich zur losen Zahnspange deutlich verkürzt.

Nachteilig ist die aufwendige Pflege der Zähne und Spange. Zwischen den Drähten bleiben Essensreste hängen wodurch schnell Beläge entstehen. Auf harte und sehr klebrige Nahrungsmittel sollte verzichtet werden. Der Patient empfindet die Drähte oft als ästhetische Störung.

Arten der festen Zahnspange

Brackets

Bei der herkömmlichen festen Zahnspange werden sogenannte Brackets mit Hilfe von speziellem Kleber an der Vorderseite der Zähne befestigt. Die Brackets bestehen häufig aus Stahl, es werden jedoch aus ästhetischen Gründen auch Varianten aus Kunststoff oder Keramik angeboten.

Nachdem diese kleinen Halterungen am Zahn befestigt wurden, werden diese mit einem Draht verbunden. Dieser Draht sorgt dafür, dass die Zähne langsam in die korrekte Position gezogen werden.

Nachdem die herkömmliche feste Zahnspange von vielen Patienten als nicht sehr ästhetisch gesehen wird, gibt es eine Möglichkeit die feste Zahnspange für andere unsichtbar anzubringen. Bei der sogenannten Lingual-Technik werden die Brackets nicht an der Vorder-, sondern an der Innenseite der Zähne angebracht.

Die Lingualtechnik

Die Bezeichnung Lingual geht auf den lateinischen Begriff "Lingua" (Zunge) zurück. In der Kieferorthopädie spricht man von Lingualtechnik, wenn eine Zahnspange zungenseitig, also auf der Innenseite der Zähne, befestigt wird.

Erfunden wurde das kieferorthopädische Verfahren von dem Amerikaner Craven Kurz. Dieser brachte in den 70er Jahren als erster Kieferorthopäde überhaupt, eine Zahnspange nicht wie sonst üblich, an der Außenseite der Zähne, sondern an ihrer Innenseite an. Auf diese Weise ist sie optisch nicht zu sehen.

Prinzip der Lingualtechnik

Zusammengesetzt wird die linguale Zahnspange ebenfalls aus Brackets. Diese kleinen Halterungen, die in einem speziellen Labor individuell für den Träger angefertigt werden, klebt der Kieferorthopäde auf die innere Zahnoberfläche auf.

Zu den typischen Merkmalen von lingualen Brackets gehört, dass ihre Form an der Innenseite abgeflacht ist. Für die Funktion der Zahnregulierung sorgen feine Spanndrähte, die an den Brackets befestigt sind.

Nach und nach werden dann die Zähne von den Drähten in eine bessere Position gebracht. Dabei ist es allerdings notwendig, dass der Kieferorthopäde oder Zahnarzt die Spanndrähte regelmäßig nachzieht. Mithilfe von moderner Computertechnik lässt sich das Lingualverfahren optimieren.

Wurde die gewünschte Korrektur der Zähne erreicht, lassen sich die Brackets normalerweise ohne Schmerzen und Rückstände wieder entfernen. Die Dauer der Behandlung mit der Lingualtechnik entspricht in etwa dem Zeitraum einer herkömmlichen Zahnspangenbehandlung.

Anwendungsgebiete

Die Lingualtechnik lässt sich für sämtliche Formen von Zahnfehlstellungen anwenden. Zum Einsatz kommt sie vor allem bei erwachsenen Menschen, die berufstätig sind und unter den ästhetischen Nachteilen einer herkömmlichen Zahnspange leiden.

Soweit die Zähne und ihre Verankerung noch unversehrt sind, ist die Lingualtechnik in jedem Lebensalter anwendbar.

Vorteile

Die Lingualtechnik hat gegenüber der konventionellen außenseitigen Multibandtechnik, bei der feste Zahnspangen zum Einsatz kommen, einige Vorteile. So bedeutet sie vor allem eine ästhetische Verbesserung, da die Spange von außen nicht sofort zu sehen ist. Auf diese Weise wird das Lächeln des Trägers nicht durch unschöne Metallteile oder Drähte beeinträchtigt.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass sich mit der Lingualtechnik auch schwierige Zahnfehlstellungen beheben lassen. Zudem können interdisziplinäre kieferorthopädisch-gesichtschirurgische Therapien durchgeführt werden.

Nachteile

Zu den Nachteilen der Lingualtechnik gehört, dass es im Vergleich zur Multibandtechnik länger dauert, bis man sich an die Zahnspange gewöhnt hat. Außerdem kann die ungewöhnliche Spange in der Anfangszeit beim Essen und Sprechen stören.

Darüber hinaus ist das Anbringen der Brackets für den Kieferorthopäden oder Zahnarzt oft sehr aufwendig.

Nicht zur Anwendung kommen kann die Lingualtechnik, wenn die Zähne keine ausreichende Stabilität mehr haben oder die Mundhygiene nicht gewährleistet ist. So ist eine konsequente und regelmäßige Zahnpflege überaus wichtig, da sonst die Gefahr von Karies oder Parodontitis besteht.

Das Anbringen der festen Zahnspange

Vor der eigentlichen Behandlung stellt der Kieferorthopäde fest, welche Art der Zahnspange sinnvoll ist, um die Zahnfehlstellungen zu beheben. Dies geschieht über einen Abdruck der Zähne in einer speziellen Masse. Dieser Negativabdruck wird anschließend in Gips wiedergegeben. So lassen sich Ausmaß und Umfang der Fehlstellungen erkennen.

  1. Wird eine feste Zahnspange angebracht, werden die Zähne zunächst gründlich gereinigt.

  2. Anschließend werden die sogenannten Brackets mit Hilfe eines Spezialklebstoffes an den einzelnen Zähnen befestigt. Je ein Bracket wird auf den zu korrigierenden Zahn aufgeklebt.

  3. Diese werden nun mit einem Spanndraht verbunden. Der Draht wird hierbei durch eine Haltevorrichtung gefädelt und durch kleine Gummis mit dem Bracket verbunden.

Das Anbringen der festen Zahnspange bereitet dem Patienten keine Schmerzen und wird ohne Betäubung vorgenommen.

Behandlung und Nachjustierung

Die eigentliche Behandlung der Fehlstellungen findet meist alle drei bis vier Wochen statt. Nach diesem Zeitraum wird der Spanndraht nachgespannt. Durch diesen Zug werden die Zähne in die gewünschte Richtung gezogen und gerade gerückt. Dieser Vorgang kann dem Patienten in den folgenden Tagen leichte, aber auszuhaltende Zahnschmerzen bereiten.

Problemfaktoren und Fehlerquellen

Während die feste Zahnspange im Mundraum sitzt, sollte man auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten. Klebrige Speisen können an den Zwischenräumen der Spange haften bleiben. Besonders harte Speisen bergen ein großes Risiko, da diese die feste Zahnspange beschädigen können.

Nicht selten kommt es vor, dass sich der Klebstoff des Bracket löst und dieses nicht mehr auf dem Zahn hält. Ebenfalls können sich Drähte lösen und das Zahnfleisch verletzen. In diesen Fällen sollte umgehend der Kieferorthopäde aufgesucht werden.

Grundinformationen und Hinweise zu Zahnspangen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Detail of young womans smile showing white teeth with braces. © Carlos Caetano - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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