Entzündungen im Mundraum schnell erkannt: medizinischer Kaugummi als Schnelltest

Schnelltest-Kaugummi für Träger von Zahnimplantaten - Bei bitterem Geschmack liegt eine mögliche Entzündung vor

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  • von Paradisi-Redaktion
Grafik eines Unterkiefers mit einem eingeschraubten Zahnimplantat

Deutsche Forscher haben einen Kaugummi entwickelt, der künftig Menschen mit Zahnimplantaten helfen soll, frühzeitig Entzündungen selbst zu erkennen. Bislang ist das schwierig, da Zahnimplantate meist zu kleinen Entzündungsherden jenseits des sichtbaren Zahnfleisches führen und erst schmerzen, wenn bereits viel Schaden angerichtet ist.

Im schlimmsten Fall lockern sich die Implantate und neue Operationen sind notwendig. Der Schnelltest-Kaugummi könnte dieses Problem beseitigen.

Freigesetzter Bitterstoff Denatonium als Erkennungsparameter

Der medizinische Kaugummi wird mit Denatonium, einem Bitterstoff, angereichert. Allerdings wird das Denatonium so mit der Kaumasse verbunden, dass normaler Speichel nicht für eine Freisetzung sorgt. Daher schmeckt der Kaugummi zunächst völlig neutral.

Der Bitterstoff wird nur dann freigesetzt, wenn sich im Mundraum das Enzym MMP-8 befindet. Dieses Enzym tritt dann auf, wenn Entzündungsherde vorhanden sind. Der Nutzer des Kaugummis schmeckt also einen bitteren Geschmack und kann diesen als Warnsignal sehen, um einen Termin bei seinem Zahnarzt zu vereinbaren.

Sinnvoll könnte dieser Schnelltest theoretisch auch bei Menschen ohne Zahnimplantate werden. Allerdings sind "normale" Entzündungen am Zahnfleisch auch beim Zähneputzen sicht- und vor allem spürbar. Bei Trägern von Zahnimplantaten tritt das Problem auf, dass die Stifte der Implantate als "künstliche Zahnwurzeln" im Kieferknochen befestigt werden müssen. Diese Verankerung direkt im Knochen kann zu Spätfolgen führen.

Verfügbarkeit möglicherweise in den nächsten fünf Jahren

Zwischen sechs und 15 Prozent der Träger von Zahnimplantaten erkranken in den kommenden Jahren an Mukositis (eine Entzündung der Mundschleimhaut) oder Peri-Implantitis (Entzündung und Rückgang der Schleimhaut). Diese Rate an Komplikationen könnte man senken, wenn Entzündungen schneller entdeckt werden würden.

Da bisher nur der Zahnarzt bei der Kontrolle diese Möglichkeit hat, haben Implantat-Träger in der Zeit zwischen zwei Terminen keine Sicherheit. Der neue Schnelltest-Kaugummi aus Würzburg wird derzeit intensiv getestet und dürfte bei guten Studienergebnissen in weniger als fünf Jahren verfügbar sein.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Dental implant © Vladislav Kochelaevs - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - News vom

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