Mittwoch 15.02.2012 03:35

Henna-Tattoo Artikel

Attraktive Tattoos sind "in" - unreine Hennafarben sind "out"

Kids stehen auf den Körperschmuck, doch oft löst eine zugesetzte Chemikalie Allergien aus.

(pgk) Allergien bei Kindern sind ein zunehmendes Problem. Nicht nur Substanzen wie Nickelsulfat (zum Beispiel in Schmuck) oder Isozyanate (in Lacken, Schaumstoffen, Klebstoffen oder Isolierstoffen) können Kontaktallergien auslösen. Besonders häufig entstehen Allergien nach Kontakt mit dem sogenannten Para-Phenylendiamin – kurz PPD. Diese Chemikalie findet sich in dunkel gefärbten Stiefeln, Pelzen oder Kleidungsstücken und wird oft auch dem besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebten Färbemittel Henna zugesetzt, das bei aufgemalten Tattoos auf oder direkt in die Haut gelangt. Mit möglicherweise fatalen Folgen!

Lange galten die schmucken kurzzeitigen Henna-Tattoos – auch Temptoos genannt – als harmlose Urlaubssouvenirs, die nach etwa zwei Wochen wieder verschwinden. Seit aber immer mehr – meist junge – Menschen über Juckreiz und ekzematöse Hautveränderungen aufgrund solcher Henna-Tattoos klagen, die sie sich in Ägypten, Indien oder einigen Mittelmeerländern auftragen ließen, ist der vermeintlich natürliche Hautschmuck ins Gerede gekommen. Die filigranen schwarzen Henna-Tattoos sind besonders bei jungen Menschen begehrte "Mitbringsel" aus südlichen Ländern, wo Künstler sie auf Straßen und an Stränden günstig anbieten.

Henna ist ein rötliches Pulver, gewonnen aus den Blättern des Cyperstrauchs (Lawsonia inermis), der unter anderem in Indien, Afrika und auf Sri Lanka heimisch ist. Für Henna selbst ist keine sensibilisierende Wirkung nachgewiesen; reines Henna wird von den meisten Menschen vertragen. Allerdings wird Henna häufig das besagte Allergie verursachende Para-Phenylendiamin beigemengt, um den Farbton der orangegelben Hennafarbe abzudunkeln, die Farbe zu intensivieren sowie eine kürzere Trockenzeit zu erreichen. Der Auslöser der allergischen Reaktion ist also nicht der pflanzliche Henna-Farbstoff selbst, sondern eine meist hohe Konzentration der Chemikalie PPD. In Europa darf PPD kosmetischen Mitteln zur Färbung der Haut grundsätzlich nicht zugesetzt werden. Hersteller aus Nicht-EU-Ländern sind aber an diese Vorgaben nicht gebunden, und die Produkte enthalten nicht selten erhebliche Mengen an PPD.

Oft treten die Hautallergien nach dem Aufmalen der temporären Tätowierung zeitlich verzögert auf. Dann sind sie schon vollständig verblasst, wenn die ersten Beschwerden auftreten. Oder es kommt bereits einige Tage nach Aufbringen der Temptoos zu ersten Reaktionen: Juckreiz, Rötungen, Knötchen und Bläschen. Einige entwickeln darüber hinaus nässende, teilweise verkrustete Hautveränderungen innerhalb der Tätowierung. In schweren Fällen sind auch Beinödeme und Bläschen an Händen und Füßen diagnostiziert worden, manche klagen über ein eingeschränktes Allgemeinbefinden. Vereinzelt sind Reaktionen wie schmerzhafte, Tage anhaltende Schwellungen von Haut und Schleimhaut, Nesselsucht, Rhinitis oder auch Asthma bronchiale aufgetreten. Wer einmal gegenüber PPD sensibilisiert ist, kann lebenslänglich allergisch auf den Stoff oder auf Farben mit ähnlicher chemischer Struktur reagieren, zum Beispiel beim Haarefärben.

Kinder- und Jugendärzte, die Arbeitsgemeinschaft ästhetische Dermatologie und Kosmetologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der Ärzteverband Deutscher Allergologen sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen deshalb immer wieder vor den Risiken von mit PPD versetzten Henna-Tattoos.

Weitere Informationen auf: www.haut.de

Quellen:
Tattoos - Henna-Tattoos: Das ist zu beachten, Interview mit Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Vorstandsmitglied des ÄDA und Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Göttingen, www.adk-online.org/
Henna-Tatöwierungen als Ursache für lebenslange Allergien, www.journalmed.de/
BfR warnt erneut vor Henna-Tattoos, Die Inhaltsstoffe können für allergische Reaktionen den Weg bereiten, 18.07.2007, www.bfr.bund.de/

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