26. Juli 2011
Im Sport ist der Dresscode noch wichtiger als in Unternehmen, allein weil zumindest bei Wettkämpfen sich die Mannschaft von den Gegnern deutlich unterscheiden muss. Der Dresscode erhält also die Funktion einer Uniform. Er bewirkt jedoch noch mehr, nämlich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mannschaftskameraden (wie das Uniformen auch tun) und wird deshalb auch beim Training eingehalten.
Fußballvereine auch der zweiten oder der Regionalliga setzen einheitliche Kleidung selbst während des Trainings mittels Strafzahlungen durch. Dazu gehört alles bis zur Farbe der Strümpfe. Der Effekt ist aus dem Militär bekannt: Dort werden die Uniformen schließlich ständig, nicht nur während des Krieges, getragen. Sie dienen der Unterordnung des Individuums unter das gemeinsame Ziel. Es gibt noch mehr Methoden, diese Unterordnung herbeizuführen, beim Militär ist das zum Beispiel das Exerzieren, aber der Dresscode gehört zweifellos zu den wirksamsten Mitteln. Der Sportler im Dress seines Vereins gibt genau wie der Soldat in Uniform einen großen Teil seiner Individualität an die Mannschaft ab. Man kann Individualität auch völlig aufheben, wie dies in sowjetischen Gulags geschah. Dort trugen die Häftlinge nicht nur einheitliche Kleidung, sie mussten auch ihren Namen abgeben und bekamen stattdessen eine Nummer zugeteilt (vergl. Andrej Sacharow: "Archipel Gulag").
Mannschaftssportarten sind durch ein absolut vorgeschriebenes Design der Kleidung gekennzeichnet. Dieses kann auch wechseln, wenn zwei Mannschaften gegeneinander antreten, die ansonsten sehr ähnliche Farben tragen. Im Hockey wird der Dresscode vor dem Anpfiff durch den Schiedsrichter geprüft, Männer tragen kurze Hosen, Frauen kurze Röcke. Bei deutschen Fußballern ist auch die Farbe der Unterziehhose vorgeschrieben, sie muss zur Hauptfarbe der Hosen passen. Im Tanzsport ist der Dresscode für Startklassen und Startgruppen geregelt, auch im Reitsport ist der Dresscode strengstens reglementiert. Der Eiskunstlauf hat im Jahr 2004 den Dresscode gelockert, es sind den Damen seither neben einem Rock auch Hose und Trikot erlaubt. Accessoires wie Schals oder Hüte sind in der Pflicht nicht erlaubt, nur beim Schaulaufen. Die Kleidung der Tennisspieler in Wimbledon hat zu 90 Prozent weiß zu sein, die Röcke bei den Damen sind in ihrer Länge reglementiert. Die Teilnehmer der schottischen Highland Games müssen einen Kilt tragen.
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